Bläulingszikaden (Metcalfa pruinosa): Adulte Tiere und Schadblid

Bläulingszikade erkennen: Merkmale, Schadbild, Wirtspflanzen

Die Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa) zählt zu den relativ neuen Insekten in Mitteleuropa und breitet sich mit den wärmeren Sommern zunehmend aus. Anders als die einheimischen Zwergzikaden gehört sie zur Familie der Schmetterlingszikaden (Flatidae) und fällt durch ihre auffällige, wachspulverbedeckte Erscheinung sowie die starke Honigtaubildung auf. Dieser Beitrag stellt Biologie, Wirtspflanzen und Schadwirkung der Art vor und geht auf die Besonderheit des daraus gewonnenen Metcalfahonigs ein.

In Gärten findet man vor allem die winzigen Zwergzikaden, die als saugende Schädlinge an Sträuchern, Halbsträuchern und Stauden saugen. Bekannte Vertreter sind z.B. die Rosenzikade und die an verschiedenen Kräutern auftretenden Eupteryx-Arten. Diese Arten verursachen typische, punktartige Saugschäden an den Blättern. Auch die auffällig grün-rot gefärbte Rhododendronzikade ist vielen Gartenbesitzern bekannt.

Biologie der Bläulingszikade

Die Bläulingszikade ist jedoch erst seit relativ kurzer Zeit in Mitteleuropa anzutreffen und breitet sich aktuell vor allem in wärmeren Regionen stärker aus. Auf den ersten Blick ist sie nicht sofort als Zikade erkennbar.

Die Larven ähneln auf Grund der starken Bildung von Wachswolle eher Woll- oder Blutläusen oder manchen Marienkäferlarven. Die erwachsenen Tiere könnte man auf den ersten Blick auch für kleine mottenartige Schmetterlinge halten.

Sowohl Larven als auch geflügelte Zikaden ernähren sich von Pflanzensaft. Anders als die Zwergzikaden stechen sie aber nicht die Blatthaut an, sondern saugen den zuckerhaltigen Saft aus den Leitungsbahnen der Pflanze, so wie man es von Blattläusen kennt. Überschüssiger Zucker wird als so genannter Honigtau wieder ausgeschieden und bildet auf Blättern und Früchten einen klebrigen Film. Hierauf bildet sich schnell dunkelgrauer Russtau, ein Pilz der sich von Zucker ernährt.

Bei stärkerem Befall kann es im Obst- und Weinbau hierdurch zu Qualitätseinbussen an Früchten kommen. An Ziergehölzen behindert übermässige Russtaubildung das Wachstum und beeinträchtigt den Zierwert immergrüner Gehölze stark.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Bläulingszikade Pflanzenkrankheiten übertragen kann, so wie es von der gefürchteten Schilf-Glasflügelzikade bekannt ist, die im Kartoffel-, Zuckerrüben- und Weinbau die Stolburkrankheit überträgt. Die Schadwirkung durch die Bläulingszikade besteht nach derzeitigem Kenntnisstand überwiegend durch die Russtaubildung. Ausserdem können die starken, haarartigen Wachsausscheidungen der Larven unerwünschte Rückstände auf Früchten verursachen.

Larve einer Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa)

Larve einer Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa)

Adulte Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa)

Adulte Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa)

Schadbild der Bläulingszkade: Wachswolle und Honigtautropfen an Schneebeere symphoricarpos

Schadbild der Bläulingszkade: Wachswolle und Honigtautropfen an Schneebeere symphoricarpos

Die Bläulingszikade, die zur Familie der Schmetterlingszikaden (Flatidae) gehört, bildet eine Generation pro Jahr. Sie legt ab Juli/August ihre Eier in Rindenrisse oder Korkschichten an den Trieben ab. Erst im nächsten Jahr schlüpfen Anfang Juni die jungen Larven aus den Eiern. Anders als die ebenfalls Wachswolle tragenden Wollläuse, sind die Zikadenlarven sehr beweglich und können gut springen. Sie sitzen bevorzugt auf der Blattunterseite. Insgesamt werden fünf Larvenstadien durchlaufen. Die erwachsene Bläulingszikade ist ca. 5 bis 8 mm lang. Auffällig sind die grossen, am Hinterende stumpf abfallenden, leicht bläulichen Flügel, die mit weissen Wachsflocken bepudert sind.

Ausführliche Informationen bieten u.a. die Internetseiten von Arbofux und AGES.

Wirtspflanzen

Befallen werden vor allem verschiedenste Gehölze, z.B. Ahorn, Apfel, Mahonie, Himbeere, Götterbaum, Wein, Pfirsich und Aprikose, aber auch an Sonnenblume, Soja oder Brennnessel wurden Tiere beobachtet. Insgesamt geht man von ca. 300 Wirtspflanzenarten in Europa aus.

Bläuslingszikade (Metcalfa pruinosa)
Bläuslingszikade (Metcalfa pruinosa) : Nahaufnahme einer adulten Zikade
Bläuslingszikade (Metcalfa pruinosa)

Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa) in ihren verschiedenen Stadien: links eine adulte Zikade an einem Gehölztrieb, in der Mitte die Nahaufnahme eines erwachsenen Tieres mit den typischen, weiss bepuderten und am Hinterende stumpf abfallenden Flügeln, rechts eine Larve mit ihrer auffälligen Wachswolle, die leicht mit Woll- oder Blutläusen verwechselt wird.

Schadwirkung und Bekämpfung

Bisher geht man von einer geringen Schadwirkung aus, so dass eine Bekämpfung im Garten nicht erforderlich ist.

In Wien hat man nach einem Massenauftreten der Zikade als natürlicher Gegenspieler versuchsweise die Zikadenwespe Neodryinus typhlocybae eingesetzt, um die Populationsentwicklung der Bläulingszikade zu bremsen.

Metcalfahonig

Auf Grund der starken Honigtaubildung durch die Bläulingszikade sind befallene Pflanzen interessant für Honigbienen und andere Insekten, wie Schwebfliegen, Ameisen und verschiedene Wildbienenarten. Die Bienen nehmen den Honigtau auf und verarbeiten ihn zu Honig. Dieser aus den Ausscheidungen der Bläulingszikade gewonnene Honig wird Metcalfahonig genannt und hat eine dünnflüssigere Konsistenz als Honig aus Blütennektar und zeichnet sich durch einen kräftigen, malzigen Geschmack aus.

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Christoph Hoyer

Dieser Text wurde von unserem Pflanzen­schutz­experten Christoph Hoyer verfasst.

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