Grosse Brennnessel (Urtica dioica)

Brennnessel im Portrait: Anbau, Küche, Heilkraft und Jauche

Die Brennnessel (Urtica dioica und Urtica urens) zählt zu den vielseitigsten Wildpflanzen im Garten und vereint kulinarische, medizinische und gärtnerische Qualitäten. Als proteinreiches Wildgemüse, bewährte Heilpflanze und Basis für einen wirksamen Naturdünger findet sie in Küche, Hausapotheke und Beet gleichermassen Verwendung. Zudem bildet sie eine unverzichtbare Futtergrundlage für die Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten.

Um Brennnesseln machen viele Menschen wegen der Brennhaare einen Bogen. Ein Paar Gartenhandschuhe reicht jedoch aus, um die Pflanzen anzubauen und zu nutzen. Sie lassen sich zu gesunden Getränken von Tees bis hin zu Smoothies, leckeren Speisen aller Art sowie zu einem fast kostenlosen Dünger verarbeiten.

Das Brennnesselbeet – Kinderstube vieler Schmetterlinge

Zur Pflanzengattung der Brennnesseln gehören zahlreiche Arten. In der Schweiz wachsen jedoch vor allem die Grosse Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Beide besitzen Brennhaare, mit denen sie sich vor Fressfeinden schützen. Sie enthalten eine Brennflüssigkeit, die bei einer Berührung der Haare austritt und einen brennenden Schmerz verursacht. Brennhaare befinden sich jedoch hauptsächlich auf den Blattoberseiten. Wer beim Pflücken die Hand von unten nach oben bewegt und nur die Blattunterseiten berührt, braucht deshalb nicht unbedingt Handschuhe. Auch die Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten haben Wege gefunden, sich vor der Brennflüssigkeit zu schützen. Für die Nachkommen des Kleinen Fuchs, des Admirals, des Tagpfauenauges und anderer Falter sind Nesseln eine wichtige und zum Teil sogar die einzige Futterquelle.

Mit den hübschen Duftnesseln sind Brennnesseln trotz einer gewissen Ähnlichkeit und des gleichen Namensteils nicht verwandt.

Raupen des kleinen Fuchses (Aglais urticae) auf Brennnesselbatt
Viele Raupen von Schmetterlingen auf Brennnesseln
Raupe des Kleinen Fuchs (Schmetterling, Aglais urticae)

Brennnesseln sind eine beliebte Futterquelle für die Raupen verschiedener Schmetterlinge. So z.B. auch von der Raupe des Kleinen Fuchs (Aglais urticae).

Spinatersatz, Suppe, Tee und Co. – Nesseln in der Küche

Aufgrund ihrer vielen guten Inhaltsstoffe sind Brennnesseln ein gesundes und gleichzeitig leckeres Wildgemüse. Sie enthalten wichtige Mineralstoffe und Vitamine sowie Proteine. Ihr Proteingehalt ist sogar höher als der von Kichererbsen und Bohnen. Junge Triebe lassen sich wie Spinat zubereiten und schmecken noch aromatischer. Schon etwas ältere Blätter eignen sich dagegen bestens für Eintöpfe und Suppen. Auch die Samen lassen sich verwerten. Sie können zum Beispiel geröstet werden und versorgen den menschlichen Organismus mit Vitamin E und Linolsäure.

Beim Kochen und selbst bei einem kurzen Blanchieren verlieren Nesselhaare ihre Brennwirkung. Ebenso wenig brennen getrocknete Blätter. Eine Verwendung roher Blätter ist jedoch ebenfalls möglich. Sie verlieren ihre Brennflüssigkeit, wenn sie mit reichlich Wasser abgespült, sehr fein geschnitten, im Mixer püriert oder mit dem Nudelholz gewalkt werden.

Die Verwendung als Heilpflanze

Die meisten Drogerien verkaufen Brennnesseltees. Diese kommen vor allem bei Problemen mit der Blase und den Harnwegen zum Einsatz, denn sie haben einen harntreibenden Effekt. Nesseln bekämpfen ausserdem Bakterien und Entzündungen, fördern die Durchblutung und regen den Stoffwechsel an. Selbst gesunde Menschen profitieren daher von ihrer Wirkung.

Für Tees werden oft frische oder getrocknete Blätter genutzt. Ebenso wirksam sind jedoch die Wurzeln, die bei einer Räumung des Beets im Herbst eventuell übrig bleiben.

Grosse Brennnessel (Urtica dioica)
Grosse Brennnessel (Urtica dioica)
Grosse Brennnessel (Urtica dioica)
Kleine Brennnessel (Urtica urens)
Kleine Brennnessel (Urtica urens)
Kleine Brennnessel (Urtica urens)
Urtica dioica frisch geerntet im Frühjahr
Urtica dioica als Brennnesseltee
Urtica dioica: Brennnessel in der Hand

Brennnesseln finden Verwendung in vielen Bereichen. Sie gelten als Heilpflanze, können zu Tee oder Salat verarbeitet werden und aus der Pflanze kann auch eine Jauche als Pflanzenstärkungsmittel für andere Kulturpflanzen hergestellt werden.

Nesseln als Düngemittel und Mulchmaterial

Viele Hobbygärtner kennen die Brennnesseljauche bereits. Sie lässt sich leicht selbst herstellen und ist ein ausgezeichneter Dünger für Nutz- und Zierpflanzen. Wird sie auf die Blätter gesprüht, schützt sie die Pflanzen sogar bis zu einem gewissen Grad vor Schädlingen. Mittlerweile sind im Handel deshalb auch gebrauchsfertige Brennnesselextrakte erhältlich.

Rezept zur Herstellung einer Brennnesseljauche


  • 1 kg Brennnesseltriebe in 10 Liter Wasser geben und umrühren.
  • Die Mischung 14 Tage stehen lassen. Hierbei entwickelt sie durch den Gärprozess einen recht unangenehmen Geruch. Der Standort sollte deshalb möglichst weit entfernt vom Haus sein.
  • Die Flüssigkeit durch ein Sieb abgiessen und in Flaschen abfüllen.
Frische Blätter der Urtica dioica im Frühling
Ernte von frischen Brennnessel für die Verarbeitung zu Brennnesseljauche
Urtica dioica: Herstellung von Brennnessel-Jauche
Herstellung von Brennnesseljauche
Herstellung von Brennnesseljauche im eigenen Garten
Fertige Brennnesseljauche
Abschöpfen des Brennnesselextrakts als Pflanzenstärkungsmittel
Brennnesseljauche abgefüllt in PET-Flasche

Brennnesseljauche wird dem Giesswasser im Verhältnis 1:10 beigemischt. Zur Vorbeugung gegen Blattläuse und andere Schädlinge mischt man ein Teil Jauche mit einem bis zwei Teilen Wasser und sprüht es auf die Blätter. Und zum Schluss noch ein Tipp: Brennnesselblätter und -triebe schmecken im Frühling und Sommer am besten. Wer das Superfood geniessen möchte, stellt die Jauche deshalb am besten erst im Herbst her.

Zum Mulchen von Beeten eignen sich Brennnesseltriebe ebenfalls. Sie unterdrücken Unkraut, reichern den Boden mit Stickstoff an und haben in frischem Zustand eine abschreckende Wirkung auf Schnecken.

Brennnesselsamen im Garten aussäen

In freier Natur sind Nesseln eine Zeigerpflanze für einen stickstoffhaltigen Boden. Haben sie sich im Garten von allein ausgebreitet, enthält die Erde daher ausreichend Stickstoff für ein gesundes Pflanzenwachstum und benötigt keine zusätzliche Düngung. In der Regel sind für den Anbau jedoch Samen erforderlich.

Die beste Zeit für eine Aussaat sind die Monate von März bis Mai. Bei der Sorte Urtica dioica können die Samen sogar bis August ausgebracht werden. Sie wird mit bis zu eineinhalb Metern deutlich grösser als die Kleine Nessel. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sie eine weniger aggressive Brennflüssigkeit bildet. Für empfindliche Personen und Haushalte mit kleinen Kindern ist die Urtica dioica deshalb möglicherweise die bessere Wahl.

Wie bereits erwähnt, bevorzugen Brennnesseln einen stickstoffhaltigen und nährstoffreichen Boden. Etwas Kompost oder Dünger sorgt für gute Startbedingungen. Das Beet sollte halbschattig und immer ausreichend feucht sein. In trockenen Sommern kann daher eine zusätzliche Bewässerung erforderlich sein. Ansonsten sind die Pflanzen aber ausgesprochen robust und pflegeleicht. Es lohnt sich daher, sie selbst anzubauen.

Saatgut für die Aussaat von Brennnesseln

Gartenblog