Getrocknete Mikroalgen als Flocken und Tabletten in Schalen

Essbare Algen: Wakame, Nori, Dulse und Spirulina als Nahrungsmittel und Rohstoff

Algen sind weit mehr als störender Bewuchs in Teichen oder auf Gehwegen: Als Nahrungsmittel, Nahrungsergänzung und potenzieller Rohstoff für die Industrie rücken sie zunehmend in den Fokus. In Asien, Irland, Schottland und Island werden grossblättrige Meeresalgen seit Jahrhunderten verzehrt; Mikroalgen werden in Anlagen an Land gezüchtet, und in Nordeuropa entstehen seit Kurzem auch maritime Algenfarmen. Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Speisealgen wie Wakame, Nori und Dulse sowie die Mikroalgen Spirulina und Chlorella vor und gibt einen Ausblick auf die industrielle Nutzung.

Das Wichtigste in Kürze


  • Essbare Algen werden in Makroalgen und Mikroalgen unterteilt: Makroalgen sind grossblättrige Meeresalgen, sogenannte Tange, Mikroalgen sind winzige Organismen, die in Anlagen an Land gezüchtet werden.
  • Zu den bekanntesten Makroalgen zählen Wakame (Undaria pinnatifida), Nori (Porphyra spp. und Pyropia spp.) und Dulse (Palmaria palmata), die meist getrocknet in den Handel kommen; bekannte Mikroalgen sind Spirulina und Chlorella.
  • Makroalgen enthalten viel Eiweiss, Jod, Omega-3-Fettsäuren sowie verschiedene Vitamine und Mineralien; der hohe Jodgehalt kann jedoch Probleme bereiten, weshalb Algen vorsichtshalber nur in geringer Menge verzehrt werden sollten.
  • Ob Spirulina und Chlorella einen nennenswerten Beitrag zur gesunden Ernährung leisten, ist noch nicht ausreichend geklärt; frisches Gemüse werden Algen in naher Zukunft wohl nicht ersetzen.
  • Als Rohstoff könnten Mikroalgen wie Botryococcus braunii Algenöle für Treibstoff und Kunststoff liefern, sofern sich rentable Produktionsmethoden entwickeln.

Algen begegnen uns im Alltag eher als störender Bewuchs im Teich oder als hässlicher und z. T. schmieriger Belag auf Steinplatten und Pflaster. Eher unbekannt ist, dass Algen auch interessante Möglichkeiten als Rohstofflieferant für die Industrie und als Nahrungsmittel bieten.

In Asien, Irland, Schottland und Island werden grossblättrige Meeresalgen, sogenannte Tange, schon seit vielen hundert Jahren als Nahrungsmittel genutzt. Bekannt geworden sind sie bei uns vor allem als papierartige Hülle für Sushirollen. Diese Braun- oder Rotalgen kommen natürlich im Meer vor und werden heute nicht nur gesammelt, sondern ähnlich wie Muscheln in maritimer Aquakultur an Seilen gezogen. Algenzucht in Aquakultur gibt es vor allem in China, Indonesien, Südkorea und auf den Philippinen. Seit Kurzem entstehen auch in Nordeuropa maritime Algenfarmen.

Neben diesen Makroalgen gewinnen winzige Mikroalgen an Bedeutung. Sie werden in speziellen Anlagen an Land gezüchtet. Aktuell sind Mikroalgen als Nahrungsergänzungsmittel oder Superfood im Handel.

Algen als Nahrungsmittel

Als Nahrungsmittel kommen zwei Gruppen von Algen in Frage: Makroalgen und Mikroalgen. Sie unterscheiden sich in Herkunft, Anbau und Verwendung.

Makroalgen: Wakame, Nori und Dulse

Sie wachsen alle als typische Tange im Meer.

Der Handel bietet unter der Bezeichnung Wakame die in feine Streifen geschnittene Alge (Undaria pinnatifida) meist in getrockneter Form an. Diese Braunalgenart kommt an den Küsten Ostasiens vor, hat sich aber inzwischen weltweit verbreitet. So findet man sie heute überall da, wo sie gute Wachstumsbedingungen findet, u. a. in den Küstengewässern Argentiniens, Englands, Frankreichs und auch im Mittelmeer. Eingeweicht in Wasser wird die Alge in Salaten und Misosuppen verwendet.

Als Nori werden aus verschiedenen Rottangen (Porphyra spp., Pyropia spp.) hergestellte, sehr dünne, papierartige Platten bezeichnet, die vor allem bei der Sushiherstellung als Hülle dienen. Dazu werden die Algen fein zerkleinert und anschliessend ähnlich wie Büttenpapier verarbeitet.

Hinter der Bezeichnung Dulse verbirgt sich der Lappentang (Palmaria palmata), eine Rotalge, die in vielen Meeren vorkommt. Auch Dulse wird i. d. R. in getrockneter Form vermarktet.

Wakame (Undaria pinnatifida), meist getrocknet im Handel und nach dem Einweichen für Salate und Misosuppen verwendet

Wakame (Undaria pinnatifida), meist getrocknet im Handel und nach dem Einweichen für Salate und Misosuppen verwendet

Nori-Platten aus Rotalgen, die vor allem als Hülle für Sushi dienen

Nori-Platten aus Rotalgen, die vor allem als Hülle für Sushi dienen

Dulse (Palmaria palmata), eine Rotalge, die meist getrocknet vermarktet wird

Dulse (Palmaria palmata), eine Rotalge, die meist getrocknet vermarktet wird

Algen und Gesundheit: Eiweiss, Jod und Verträglichkeit

Makroalgen werden gerne als besonders gesund beworben. Sie enthalten neben viel Eiweiss und Jod auch Omega-3-Fettsäuren sowie verschiedene Vitamine und Mineralien. Der hohe Jodgehalt hat allerdings eine Kehrseite.

Hinweis: Der Jodgehalt von Algen kann hoch sein

Die Jodgehalte schwanken je nach Art und Herkunft stark; als besonders jodreich gilt die Braunalge Kombu. Der hohe Jodgehalt kann Probleme bereiten, und allgemein ist bisher wenig über die Verträglichkeit und mögliche Nachteile bekannt. Algen sollten daher vorsichtshalber nur in geringer Menge verzehrt werden. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten laut der deutschen Verbraucherzentrale besonders vorsichtig sein und bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen.

Checkliste: Algenprodukte bewusst kaufen und verzehren

  • Algen auch in unerwarteten Produkten beachten, denn sie stecken zum Beispiel in Tee oder Pasta; die Zutatenliste gibt Auskunft
  • Auf der Verpackung nach Jodgehalt und Verzehrempfehlung suchen und bei fehlenden Angaben beim Hersteller nachfragen
  • Algen nur in kleinen Mengen und nicht regelmässig in grossen Mengen verzehren
  • Jod aus anderen Quellen mitrechnen, zum Beispiel aus jodiertem Speisesalz
  • Bei Schilddrüsenerkrankungen besondere Vorsicht walten lassen und bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen

Mikroalgen: Spirulina und Chlorella

Diese winzigen Organismen werden in speziellen Anlagen in Wasserbecken, Tanks oder geschlossenen Systemen gezüchtet. Dafür ist eine aufwändige Technik erforderlich. Bekannte Vertreter sind Spirulina und Chlorella. Diese Algen bzw. Cyanobakterien werden in getrockneter Form z. B. als Tablette, Pulver oder Flocken als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Ob diese Produkte tatsächlich einen nennenswerten Beitrag zur gesunden Ernährung leisten können, ist allerdings noch nicht ausreichend geklärt. Angesichts des allgemeinen Trends zu immer neuem Superfood werden inzwischen auch schon einfache Sets zur eigenen Spirulinazucht angeboten. Einen Bericht über einen Schweizer Spirulinazuchtbetrieb am Genfersee veröffentlicht der Landwirtschaftliche Informationsdienst LID.

Spirulina-Becken
Spirulina-Pulver
Pulver und Tabletten

Mikroalgen: Spirulina im Zuchtbecken sowie als Pulver und als Tabletten

Essbare Algen im Überblick

Die Tabelle fasst die wichtigsten essbaren Algen nach Gruppe, Vorkommen und Verwendung zusammen.

Alge Gruppe Vorkommen und Anbau Verwendung
Wakame (Undaria pinnatifida) Braunalge (Makroalge) Küsten Ostasiens, inzwischen weltweit verbreitet Eingeweicht in Salaten und Misosuppen, meist getrocknet im Handel
Nori (Porphyra spp., Pyropia spp.) Rotalge (Makroalge) Meer, auch Zucht in maritimer Aquakultur Dünne, papierartige Platten, vor allem als Hülle für Sushi
Dulse (Palmaria palmata) Rotalge (Makroalge) Viele Meere Meist getrocknet im Handel
Spirulina Cyanobakterium (Mikroalge) Zucht in Anlagen an Land Tabletten, Pulver oder Flocken als Nahrungsergänzungsmittel
Chlorella Grünalge (Mikroalge) Zucht in Anlagen an Land Tabletten, Pulver oder Flocken als Nahrungsergänzungsmittel

Algen können sicherlich einen gewissen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten. Frisches Gemüse, am besten aus dem eigenen Garten, werden sie aber wohl in naher Zukunft nicht ersetzen können.

Algen als Rohstoff: Industrielle Nutzung

Grössere Bedeutung könnte die Mikroalgenzucht gewinnen, wenn es gelingt, wirtschaftliche Lösungen zu finden, um die enorme Produktivität dieser Organismen für industrielle Zwecke zu nutzen.

So kann beispielsweise die Mikroalge Botryococcus braunii durch Photosynthese grössere Mengen Algenöle produzieren. Diese Öle können, vorausgesetzt, es entwickeln sich rentable Produktionsmethoden, Erdöl ersetzen und somit als Grundstoff für verschiedene Produkte wie Treibstoff, Kunststoff und vieles mehr dienen.

Algenfarm aus der Luft
Anbau im Gezeitenbereich
Ernte im Flachwasser
Algen in Netzen
Küstenfarmen aus der Luft
Ernte von Hand
Nori-Blätter als Snack
Spirulina-Ernte im Becken

Anbau und Ernte: Makroalgen wachsen an Leinen im Meer und werden von Hand geerntet, Spirulina wird in Becken kultiviert

Häufige Fragen zu essbaren Algen

Zu den bekanntesten essbaren Algen zählen die Makroalgen Wakame (Undaria pinnatifida), Nori (Porphyra spp. und Pyropia spp.) und Dulse (Palmaria palmata) sowie die Mikroalgen Spirulina und Chlorella. Wakame, Nori und Dulse kommen meist getrocknet in den Handel, Spirulina und Chlorella als Tabletten, Pulver oder Flocken. Auch die Braunalge Kombu wird gegessen, enthält aber besonders viel Jod.

Makroalgen sind grossblättrige Meeresalgen, sogenannte Tange, die natürlich im Meer wachsen und heute auch in maritimer Aquakultur an Seilen gezogen werden. Mikroalgen sind winzige Organismen, die an Land in speziellen Anlagen gezüchtet werden, zum Beispiel in Wasserbecken, Tanks oder geschlossenen Systemen.

Nori besteht aus sehr dünnen, papierartigen Platten aus verschiedenen Rotalgen der Gattungen Porphyra und Pyropia. Die Algen werden fein zerkleinert und ähnlich wie Büttenpapier zu dünnen Blättern verarbeitet. Nori dient vor allem als Hülle für Sushi.

Makroalgen enthalten viel Eiweiss, Jod und Omega-3-Fettsäuren sowie verschiedene Vitamine und Mineralien. Der hohe Jodgehalt kann allerdings Probleme bereiten, und über die Verträglichkeit ist bisher wenig bekannt. Algen sollten deshalb vorsichtshalber nur in geringer Menge verzehrt werden. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten laut der deutschen Verbraucherzentrale besonders vorsichtig sein und bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen.

Algenzucht in maritimer Aquakultur gibt es vor allem in China, Indonesien, Südkorea und auf den Philippinen; in den letzten Jahren entstehen auch in Nordeuropa Algenfarmen. Mikroalgen wie Spirulina werden an Land in speziellen Anlagen gezüchtet, in der Schweiz von einzelnen kleinen Betrieben.

Die Mikroalge Botryococcus braunii kann durch Photosynthese grössere Mengen Algenöle produzieren. Diese Öle könnten Erdöl ersetzen und als Grundstoff für Treibstoff, Kunststoff und viele weitere Produkte dienen, vorausgesetzt es entwickeln sich zuerst rentable Produktionsmethoden.

Christoph Hoyer

Dieser Text wurde von unserem Pflanzen­schutz­experten Christoph Hoyer verfasst.

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Quellen

Gartenblog