Schmied Hug bei der Kontrolle des Hammerbeils

Feuer, Stahl und 19 Generationen Handwerk: Zu Besuch bei der Werkzeugschmiede Hug

Es riecht nach warmem Metall und Kohle. Im Hintergrund das dumpfe Schlagen von Stahl auf Stahl. Wer die Werkstatt der Kunst- und Werkzeugschmiede Hug GmbH im ausserrhodischen Waldstatt nahe Herisau betritt, spürt sofort: Hier wird noch wirklich gearbeitet. Nicht automatisiert, nicht industriell – sondern mit Feuer, Muskelkraft und viel Erfahrung.

Wir haben Schmied Hug in seiner Werkstatt besucht, um zu verstehen, was hinter den Werkzeugen steckt, die wir in unserem Sortiment führen. Was wir angetroffen haben, war echtes Handwerk – und Menschen, die genau wissen, warum sie es so machen, wie sie es machen.

Wer ist Schmied Hanspeter Hug?

Nicht jeder kann von sich sagen, dass er einen Beruf ausübt, der seit 19 Generationen in seiner Familie liegt. Schmied Hanspeter Hug, oder auch bekannt mit dem Kurznamen «Hampi», kann das. Die Schmiedekunst ist für ihn kein erlernter Job, sondern eine Berufung, die tief in der Familiengeschichte verwurzelt ist. Seit Jahrhunderten wird in der Familie Hug geschmiedet – und mit jedem Generationenwechsel wurde das Wissen verfeinert, weitergegeben und an die jeweilige Zeit angepasst.

Dabei betont Hug selbst: Das Wissen, das er heute anwendet, hat er sich grösstenteils selbst erarbeiten müssen. «Ehrlicherweise habe ich das alles neu herausfinden müssen», sagt er. «Nur das Blut fliesst seit 19 Generationen in mir.» Ein Satz, der viel verrät: über Stolz, über Bescheidenheit – und über das, was echtes Handwerk ausmacht.

«Ehrlicherweise habe ich das alles neu herausfinden müssen. Nur das Blut fliesst seit 19 Generationen in mir.»
Hanspeter Hug, Schmied

Heute führt er zusammen mit seiner Frau Marion die Kunst- und Werkzeugschmiede Hug GmbH als kleinen, feinen Betrieb in Waldstatt im Appenzell Ausserrhoden. Der Betrieb ist bewusst klein gehalten – denn hier geht Qualität klar vor Quantität. Jedes Werkzeug, das die Schmiede verlässt, ist ein Unikat: handgefertigt, mit viel Muskelkraft geformt und mit einem Know-how veredelt, das man nicht aus Büchern lernt.

Voller Körpereinsatz beim Schmieden

Voller Körpereinsatz während des Schmiedens

Flexen der Hammerrillen

Flexen der Hammerrillen

Kontrolle durch das geübte Auge des Schmieds

Kontrolle durch das geübte Auge des Schmieds

Ein uraltes Handwerk: Die Geschichte der Schmiedekunst

Das Schmieden gehört zu den ältesten Handwerkskünsten der Menschheit. Bereits in der Antike formten Menschen Metall durch Erwärmen und Hämmern – zunächst Kupfer und Bronze, später Eisen. Mit der Eisenzeit, die in Mitteleuropa etwa ab 800 vor Christus begann, wurde das Schmiedehandwerk zur unverzichtbaren Grundlage jeder Zivilisation: Werkzeuge, Waffen, landwirtschaftliche Geräte – alles entstand in der Schmiede.

In der Schweiz hat das Schmiedehandwerk eine besonders reiche Tradition. In den Alpenregionen, wo Holz und Eisen reichlich vorhanden waren, entwickelten sich früh spezialisierte Schmieden, die das Leben der Landbevölkerung prägten. Die Dorfschmiede war nicht nur Produktionsstätte, sondern auch sozialer Treffpunkt – ein Ort, an dem Handwerk und Gemeinschaft zusammenkamen.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verschwanden viele dieser Betriebe. Maschinen übernahmen, was einst Menschenhand geleistet hatte. Doch einige Schmieden hielten durch – und pflegen ihr Handwerk bis heute. Betriebe wie die Schmiede Hug sind heute lebendige Zeugen einer jahrtausendealten Tradition.

Werkzeuge neben dem Ofen zum Schmieden
Der Abzug des Ofens mit geschmiedeten Hufeisen
Fertige Hammerbeile in verschiedenen Grössen, noch ohne Stiel

In der Werkstatt erkennt man schnell: Hier wird gearbeitet, hier wird geschmiedet. An jeder Ecke sind kleine Details erkennbar. Man kann sich kaum sattschauen.

Eine Werkstatt wie aus einer anderen Zeit

Die Werkstatt von Schmied Hug liegt etwas abgelegen – wer sie sucht, muss sie wirklich wollen. Doch wer den Weg findet, wird mit einem Erlebnis belohnt, das man so schnell nicht vergisst.

Das Erste, was auffällt: die Dunkelheit. Die Schmiede ist bewusst so gehalten – wer Stahl richtig erwärmen und bearbeiten will, muss die Farbe des Metalls genau ablesen können. Zu hell, und man sieht die feinen Nuancen nicht. Schon früher wurden Schmieden an schattigen, dunklen Orten gebaut – nicht aus Tradition, sondern aus handwerklicher Notwendigkeit.

Der Geruch von warmem Metall liegt in der Luft. An den Wänden hängen und stehen fertige Musterwerkzeuge – Beile, Zangen, Hämmer – als stille Zeugen der Arbeit, die hier Tag für Tag entsteht. Der Besucher sieht auf einen Blick die verschiedenen Fertigungsschritte: vom rohen Stahlstück über das erwärmte, glühende Halbfabrikat bis hin zum fertig geformten und geschliffenen Werkzeug. Und der Schmied lässt es sich nicht nehmen, auch gleich sein Können vorzuführen. Schnell ist die Esse eingefeuert, das erste Eisen am Glühen. Schritt für Schritt, mit viel Geduld und dennoch gründlicher Schnelligkeit, wird vor den Augen des Besuchs ein Hammerbeil geschmiedet. Eines der Werkzeuge, auf die Hanspeter und Marion Hug besonders stolz sind.

Ein zentrales Prinzip in der Schmiede Hug: das Material so wenig wie möglich zu erwärmen. Jede Wärme belastet den Stahl. Das Ziel ist, mit möglichst wenigen Erwärmungen zum fertigen Werkzeug zu kommen – das erfordert Erfahrung, Präzision und ein tiefes Gefühl für das Material.

Schmied Hug am Kohlefeuer
Erwärmen des Eisens im Kohlefeuer
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Erwärmen des Eisens im glühenden Feuer
Hampi bei der Arbeit an der Presse
Der glühende Rohstahl wird in der Presse geformt
Hanspeter Hug an der Feuerstelle
Hanspeter Hug an der Presse
In der Schmiede: Das Rohmaterial nimmt langsam Form an

Der Schmied Hanspeter «Hampi» Hug während der Arbeit beim Schmieden eines seiner bekannten Hammerbeile.

Die starken Frauen in der Werkstatt

Wer die Schmiede von Hug betritt, lernt schnell: Die schwerste Arbeit erledigen hier die Frauen. Zumindest die, die Frauennamen tragen.

Ingrid und Rita – so heissen die beiden mächtigen Maschinen, die in der Werkstatt ihren Dienst tun. Sie gehören zum Herzstück des Betriebs. Und sie haben es in sich.

Ingrid ist ein 50-Kilogramm-Bär-Lufthammer – und sie ist schnell. Mit bis zu 190 Schlägen pro Minute bearbeitet sie das erwärmte Metall, wahlweise mit feinfühligen Einzelschlägen oder mit voller Kraft. Ein einzelner Schlag entfaltet eine Wucht von schätzungsweise 15 bis 20 Tonnen. Ingrid beherrscht das gesamte Handwerk: freies Schmieden mit dem Recksattel sowie die Arbeit in Halbgesenken und Gesenken. Dies sind Formwerkzeuge, die dem glühenden Metall seine endgültige Gestalt verleihen. Mal behutsam, mal mit voller Wucht – ganz so, wie es der Moment verlangt.

Rita dagegen ist eine Friktionsspindelpresse mit 600 Tonnen Presskraft. Wo Ingrid schlägt, drückt Rita – mit enormer Kraft und hoher Präzision. Auch sie arbeitet frei und in Halbgesenken oder Gesenken und ist damit das ideale Gegenstück zur Lufthammerin: langsamer, aber mit schier unvorstellbarem Druck.

Und doch: Trotz dieser maschinellen Unterstützung bleibt das Schmieden bei Hug Handarbeit. Denn die Maschinen sind nur so gut wie der Mensch, der sie bedient. Das Gespür für den richtigen Moment, den richtigen Druck, die richtige Wärme – das ist nicht automatisierbar. Das ist Erfahrung.

«Das Feuer brennt, das Eisen glüht.
Der Mensch erkennt, das Handwerk blüht.»
Marion Hug, Schmiedin

Und hier kommt auch die dritte Frau im Bunde dazu: Marion Hug. Auch sie ist in der Schmiede zuhause – und ein unverzichtbarer Bestandteil des Teams. Marion schmiedet selbst und ist vor allem für Bauwerkzeuge und die Federn der Hammerbeile zuständig. «Das Feuer brennt, das Eisen glüht. Der Mensch erkennt, das Handwerk blüht.», so ein gelebtes Zitat der Schmiedin. Wer ein Hammerbeil von der Schmiede Hug in den Händen hält, hat also mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Marions Handarbeit vor sich.

Die Friktionsspindelpresse Rita

Die Friktionsspindelpresse Rita

Ingrid, ein 50-Kilogramm-Bär-Lufthammer

Ingrid, ein 50-Kilogramm-Bär-Lufthammer

Marion Hug währen Schmiedearbeiten

Marion Hug währen Schmiedearbeiten

Vom Feuer in den Garten: Wie ein handgeschmiedetes Werkzeug entsteht

Ein handgeschmiedetes Gartengerät entsteht nicht auf Knopfdruck. Der Weg vom Rohstahl zum fertigen Werkzeug ist ein mehrschrittiger Prozess, der Präzision und Erfahrung auf jeder Stufe verlangt.


  1. Erwärmen: Der Stahl wird im Feuer in der sogenannten Esse, der Feuerstelle in der Schmiede, auf die richtige Temperatur gebracht – erkennbar an der Farbe des glühenden Metalls. Zu kalt, und er lässt sich nicht formen. Zu warm, und die Materialstruktur leidet. Die Kunst liegt darin, den richtigen Moment zu erkennen – und ihn zu nutzen.


  2. Formen: Im richtigen Moment kommt das glühende Stück unter den Hammer oder die Presse. Ingrid oder Rita übernehmen die Grobarbeit, dann übernimmt die Handarbeit: Schmied Hug – und manchmal Marion – korrigiert, präzisiert, verfeinert.


  3. Härten: Das geformte Werkzeug wird erneut erwärmt und dann kontrolliert abgekühlt – dieser Schritt bestimmt die Härte und damit die Langlebigkeit des Werkzeugs.


  4. Schleifen und Finalisieren: Kanten werden geschliffen, Oberflächen bearbeitet, der Stiel angepasst. Am Ende entsteht ein Werkzeug, das nicht nur funktioniert – sondern das man spürt, wenn man es in der Hand hält.

Hanspeter mit der Presse
Das Pressen der Öffnung für den Stiel
Die nächsten Schmiedeschritte werden von Hand ausgeführt
Der Hammer n
Hampi am Lufthammer
Das glühende Eisen unter dem Hammer
Formung mit Hammer auf dem heissen Eisen
Abkühlen und Härten des Eisens im ÖL
Farbverlauf des Eisens während des Abkühlens

Die Bilder zeigen weitere Impressionen während des Schmiedeprozesses eines Hammerbeils.

Werkzeuge aus der Schmiede – für den Garten gemacht

Die Werkzeuge, die in der Schmiede Hug entstehen, sind keine Massenware. Sie sind gemacht, um zu halten – und um die Arbeit im Garten wirklich zu erleichtern. In unserem Sortiment führen wir eine sorgfältige Auswahl aus dem Programm von Schmied Hug:


Werkzeug Beschreibung
Beil, Axt & Hammerbeil Klassiker des Handwerks, handgeschmiedet für einen perfekten Schwerpunkt und eine langlebige Schneide. «Das Hammerbeil ist eines unserer beliebtesten Werkzeuge. Marion und ich sind so eingespielt, dass jeder Handgriff sitzt», sagt Hampi. Er perfektionierte jeden Arbeitsschritt vom Erwärmen bis zum Härten des universal einsetzbaren Werkzeuges. Finalisiert werden die Hammerbeile durch das Einsetzen von Marions handgeschmiedeten Federn, damit der Stiel während dem späteren Einsatz sicher und zuverlässig mit dem Kopf verankert bleibt.
Sichel Für Gras, Stauden und alles, was mit Schwung geschnitten werden will – scharf, ausgewogen, zeitlos.
Hammer, Fäustel Geschmiedet für den täglichen Einsatz, mit einer Balance, die man bei industriell gefertigten Werkzeugen selten findet.
Neophyten-Jäter Speziell entwickelt für die gezielte Bekämpfung invasiver Pflanzen – präzise, robust, handlich.
Wurzelstecher Wo Wurzeln tief sitzen, braucht man ein Werkzeug, das mitkommt. Der Wurzelstecher von Hug macht auch mit hartnäckigem Unkraut kurzen Prozess.
Kreuzpickel Für schwere Gartenarbeit und harte Böden – ein Werkzeug, das Kraft überträgt und trotzdem kontrolliert bleibt.
«Marion und ich sind so eingespielt, dass jeder Handgriff sitzt.»
Hanspeter «Hampi» Hug, Schmied

Handwerk, das bleibt

Wer einmal eine Schmiede wie die von Hug besucht hat, sieht Werkzeuge mit anderen Augen. Hinter jedem Beil, jeder Sichel, jedem Kreuzpickel steckt eine Geschichte: ein Feuer, das auf die richtige Wärme gebracht werden musste. Hände – von Hampi und Marion –, die das Material gespürt haben. Erfahrung, die sich über 19 Generationen und ein Leben voller eigener Entdeckungen angesammelt hat.

Solche Werkzeuge kauft man nicht, um sie nach einer Saison zu ersetzen. Man kauft sie, weil man weiss, dass sie bleiben. Und weil es gut ist zu wissen, wo – und von wem – sie gemacht wurden.

Mehr über die Kunst- und Werkzeugschmiede Hug in Waldstatt AR erfahren Sie auf der Website von Hampi und Marion Hug.

Die Werkzeuge aus der Werkzeugschmiede Hug

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