Blüten­besucher – nicht nur Bienen mögen Blüten


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Der Schutz und die Förderung von Insekten, und ganz beson­ders der Bienen, hat heute bei vielen Gärtner­innen und Gärtnern einen hohen Stellen­wert. Neben einer Vielzahl von Saat­gut­mischungen für so genannte Blumenwiesen werden inzwischen auch reichlich bienen­freundliche Stauden und Gehölze angeboten, die einen Beitrag zur Förderung der Insekten leisten sollen.

Bei all diesen Bestrebungen, Futter­pflanzen für Insekten anzubieten, geht es nicht so sehr um die Honig­biene. Sie ist als Jahr­hunderte altes Nutztier nicht bedroht. In den letzten Jahren ist das Interesse an der Bienen­haltung sogar wieder gestiegen und die Zahl der Bienen­völker nimmt kontinu­ierlich zu. Von 'bienen­freund­lichen' Pflanzen profitieren aber nicht nur Wild- und Honig­bienen, sondern sehr viele andere Insekten, die sich von Nektar und Pollen ernähren.

Häufige Besucher an Blüten­pflanzen im Garten

Mit etwas Geduld lassen sich an vielen Stauden und Sommer­blumen neben den auffäl­ligen aber eher seltenen Schmetter­lingen viele verschiedene Insekten­arten finden. Viele davon sind auch als Bestäuber aktiv. In jedem Fall ist es interes­sant zu beobachten, welche Vielfalt an Blüten­besuchern im Garten vorkommt.

Schmetter­linge

Am auffäl­ligsten sind wegen ihrer Grösse und Farbe die Schmetter­linge. Am häufigsten findet man im Garten Kohl­weis­slinge, Zitronen­falter, Admiral, Tag­pfauen­auge, Kleinen Fuchs und den Aurora­falter. Sie saugen mit ihren langen rüssel­artigen Mund­werk­zeugen Nektar an verschiedenen Blüten­pflanzen. Ihre Larven, die Raupen ernähren sich i.d.R. von Blättern verschie­dener Pflanzen. So leben die Larven von Tag­pfauen­auge, Kleinem Fuchs und Admiral von der Brenn­nessel. Die Larven der beiden Kohl­weisslinge bevorzugen vor allem Kohlarten.


Kohlweissling (Pieris brassicae)

Kohl­weiss­ling (Pieris brassicae)

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

Zitronen­falter (Gonepteryx rhamni)

Admiral (Vanessa atalanta)

Admiral (Vanessa atalanta)


Tagpfauenauge (Aglais io)

Tag­pfauen­auge (Aglais io)

Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Kleiner Fuchs

Aurorafalter (Anthocharis cardamines)

Aurora­falter (Antho­charis carda­mines)

Fliegen

Neben Bienen und Hummeln zählen verschiedene Fliegen­arten zu den häufigsten Blüten­besuchern. Am bekann­testen sind die z.T. auffäl­lig wespen­artig gefärbten Schweb­fliegen. Am häufigsten sind im Garten die Hain­schweb­fliege sowie die Grosse und Kleine Schweb­fliege anzutreffen. Alle drei Arten ähneln sich im Aussehen und werden als Nützlinge eingestuft, da ihre Larven sich von Blatt­läusen ernähren.

Bis in den Herbst hinein kann man z.B. an Sonnenhut oder ungefüllten Chrysan­themen die etwas plumpen Mist­bienen antreffen, die ebenfalls zur Gruppe der Schweb­fliegen gehören. Ihre Larven leben in Jauche oder schlammigen Pfützen, wo sie sich von Faul­stoffen ernähren.

Auch die grün bis blau schil­lernden Gold­fliegen und die Blaue Schmeiss- oder Fleisch­fliege sind regel­mässige Blüten­besucher. Die erwachsenen Tiere ernähren sich u.a. von Pollen und Nektar, während die Larven oder Maden bevorzugt Kot, Aas oder tierische Lebens­mittel fressen.


Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus)

Hain­schweb­fliege (Episyrphus balteatus)

Mistbiene (Eristalis tenax)

Mistbiene (Eristalis tenax)

Blaue Schmeissfliege (Calliphora erythrocephala)

Blaue Schmeiss­fliege (Calliphora erythro­cephala)

Hummeln und Bienen

Diese Blüten­besucher sind klassische Bestäuber, da viele von ihnen nicht nur Nektar, sondern auch grosse Mengen an Pollen in ihren «Höschen» sammeln. Auch bei dieser Insekten­gruppe kann man mit etwas Geduld neben Honig­biene, Erd- und Stein­hummel viele andere Arten entdecken. Im Früh­jahr findet man z.B. Mauer­bienen, Sandbienen, Pelz­bienen oder die auffällig schwarz-gelb gefärbten Wespen­bienen auf verschie­denen Stauden und Wild­kräutern. Und mit etwas Glück begegnet einem ja vielleicht auch die auffällig grosse, schwarz-blau glänzende Holzbiene, wenn sie laut brummend auf Blütensuche ist.


Mauerbienen (Osmia)

Mauer­bienen (Osmia)

Pelzbienen (Anthophora)

Pelzbienen (Anthophora)

Wespenbiene (Nomada)

Wespen­biene (Nomada)

Käfer

An diese Insekten­gruppe denkt man meist nicht, wenn von Blüten­besuchern die Rede ist. Allerdings gibt es auch hier viele Arten, die sich gern an Blüten aufhalten, um Pollen zu suchen oder in den Blüten auf die Jagd nach Insekten, Milben oder Spinnen zu gehen. Und wenn im Früh­sommer und Sommer die winzigen, schwarzen Raps­glanz­käfer zu hunderten in den Blüten mancher Pflanzen auftauchen kann es sogar zu Schäden an den Blüten kommen.

Ein häufiger Blüten­besucher ist z.B. der Rotgelbe Weichkäfer, der gern Dolden­blütler besucht. Eher selten sind die z.T. präch­tigen Bock­käfer mit ihren langen Fühlern und der metallisch grün glänzende Rosen­käfer.


Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus)

Rapsglanz­käfer (Brassico­gethes aeneus)

Rosenkäfer (Cetoniinae)

Rosenkäfer (Cetoniinae)

Rotgelber Weichkäfer (Rhagonycha fulva)

Rotgelber Weich­käfer (Rhagonycha fulva)



Um fast alle diese Insekten beobachten zu können, braucht es normaler­weise keine Blüh­wiese und auch kein Insekten­hotel. Alle genannten Tiere kommen regel­mässig im Garten des Autors vor, in dem keine ausge­wählten Bienen­nähr­pflanzen wachsen, sondern gängige Polster­stauden, verschiedene Beet­stauden und neben viel Gemüse sowie einem mässig gepflegten Rasen einige einjährige Sommer­blumen.

Trotzdem kann das Aufstellen einer Nisthilfe interessant sein, da sich so diverse Insekten einfach und nahe beobachten lassen.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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