Gespinst­motten an Gehöl­zen: Vorbeu­gung & Bekäm­pfung


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Im Mai und Juni fallen an verschie­denen Gehölzen Gespin­ste auf, die einzelne Triebe aber auch ganze Sträucher und Bäume über­ziehen können. In diesen Gespin­sten fressen z.T. hunder­te von Raupen an jungen Blättern und Blüten­knospen. Besonders häufig ist das Pfaffen­hütchen betrof­fen. Befallen werden aber auch Schlehe, Weiss­dorn, Trauben­kirsche und Apfel.

Bio­logie der Ge­spinst­motten

In Mittel­europa treten mehrere Arten der am häufig­sten anzu­tref­fenden Gattung Ypono­meuta auf. Sie sind kaum zu unter­scheiden, da sowohl die creme­farbenen, schwarz gepunk­teten Larven, als auch die weissen, eben­falls schwarz gepunk­teten ca. 1 cm langen Falter sich sehr ähn­lich sehen.

In der Zeit von Mitte Juli bis August legen die begat­teten Weibchen ihre Eier in Häuf­chen zu ca. 50 Stück an die jungen Triebe ihrer Wirts­pflanzen Die jungen Larven schlüpfen nach 3 bis 4 Wochen und über­dauern dort unter einem schützen­den Schild als 1 mm lange Ei­larven den Herbst und Winter.
Ab Mitte April bis in den Mai hinein ver­lassen die jungen Larven ihr Ver­steck und fressen ver­borgen im Inneren von Knospen und jungen Trieben. Später beginnt dann der Frass an Blättern und die typische Gespinst­bildung. Unter diesen sehr dichten Gespin­sten finden die Larven Schutz vor verschie­denen Feinden. Sobald das schützende Nest beschädigt wird, schliessen die Larven inner­halb kurzer Zeit das Gespinst wieder.


Larven der Gespinstmotte
Puppen der Gespinstmotte (Prunus spinosa)
Falter der Gespinstmotte (Prunus spinosa)

Entwicklung der Gespinst­motte (Prunus spinosa) von der Larve über die Puppe bis zum Falter.


Mit zuneh­mender Raupen­entwick­lung kommt es häufig zum Kahl­frass. Besonders extrem ist das bei der Trauben­kirschen­gespinst­motte, die grössere Gehölze komplett ent­blättert und ganz und gar mit einem Gespinst über­zieht. In diesem stabilen Gespinst findet man auch die winzigen, schwarzen Kotkrümel der Tiere.
Im Mai und Juni sieht ein Befall oftmals sehr dra­matisch aus. Zum Glück sind die am stärksten betrof­fenen Pflanzen­arten, wie Pfaffen­hütchen, Weiss­dorn, Schlehe und Trauben­kirsche sehr vital und ver­kraf­ten einen Kahl­frass im Früh­jahr recht gut. Ab Mitte Juni schlagen die geschä­digten Pflanzen wieder stark aus, so dass im Sommer kaum noch etwas vom Befall zu sehen ist.
Am Apfel werden von der Apfel­baum­gespinst­motte meist nur einzelne Trieb­spitzen einge­sponnen, so dass sich die Schäden normaler­weise in Grenzen halten.

Die Larven ver­puppen sich gegen Ende Juni in den Gespin­sten und um­hüllen sich mit einem Kokon aus weissen Gespinst­fäden. Ab Juli schlüpfen dann die nacht­aktiven Falter.
Gelegent­lich werden die Gespin­ste der Gespinst­motten für einen Befall mit dem Eichen­prozes­sions­spinner oder dem Gold­after gehalten. Die Larven dieser Schmet­terlings­larven tragen Brenn­haare, die bei Berüh­rung starke aller­gische Reaktionen aus­lösen können.
Gespinst­motten sind unbe­haart. Eine Berüh­rung der Nester oder der Larven ist für Menschen unge­fährlich.

Bekäm­pfung der Gespinst­motten

An Pfaffen­hütchen, der auch Spindel­strauch genannt wird, sowie an Schlehe und Weiss­dorn, die alle zu den typi­schen Feld­gehölzen zählen oder zur Bö­schungs­bepflan­zung verwendet werden, ist eine Bekäm­pfung nicht erfor­derlich. Im Garten wird man nur bei einem Befall an Apfel oder an Japa­nischem Spindel­strauch (Euonymus japonicus) eine Bekämpfung in Erwägung ziehen. Am besten entfernt man Triebe mit beginnender Gespinst­bildung mit der Garten­schere. Sprit­zungen mit einem bio­logi­schen Präparat, welches den Wirk­stoff Bacillus thurin­giensis var. kurs­taki en­thält, sind zwar möglich, wegen des wasser­abweisen­den Gespinstes erreicht die Spritz­brühe aber die Larven in der Regel nicht. Um eine Wirkung zu er­zielen sind daher sehr frühe Spritzun­gen vor Beginn der Gespinst­bildung gegen die Jung­larven erforder­lich.


Larven der Gespinstmotte
Mit Gespinstmotte befallener Strauch
Mit Gespinstmotte (Yponomeutidae) befallener Baum

Schadbilder eines Gespinstmottenbefalls: Der Schädling kann einzelne Triebe oder ganze Sträucher und Bäume befallen.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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