Netzwanzen – Blattsauger mit filigranen Flügeln
Netzwanzen (Tingidae), auch Gitterwanzen oder Hautwanzen genannt, bilden mit rund 200 europäischen Arten eine wenig beachtete, aber zunehmend präsente Gruppe pflanzensaugender Insekten. Ihren Namen verdanken sie der charakteristischen netzartigen Struktur ihrer durchsichtigen Flügel. Dieser Beitrag stellt die Biologie der Gruppe, das typische Schadbild sowie die in der Schweiz und Mitteleuropa relevanten Arten an Platane, Rhododendron, Birne und Eiche vor.
Zeigen die Blätter von Gehölzen helle, weisslich-gelbe Sprenkelungen, stehen erst einmal verschiedene Zwergzikaden als Verursacher im Verdacht. Ein ganz ähnliches Schadbild verursachen aber auch einige Netz- oder Gitterwanzenarten, wenn sie mit ihrem Saugrüssel das Blattgewebe anstechen. Die hellen Anstichstellen sind etwas grösser als bei den Zwergzikaden und mit blossem Auge gut zu erkennen. Ein deutliches Unterscheidungsmerkmal bieten die von den Tieren abgesonderten, dunkelgrauen, lackartigen Kottröpfchen auf der Blattunterseite.
In Europa gibt es ca. 200 verschiedene Netzwanzenarten (Tingidae), die auch als Hautwanzen bezeichnet werden. Folgende Vertreter findet man an Alleebäumen und verschiedenen Sträuchern häufiger.
Biologie der Netzwanzen
Ihren Namen verdanken die Tiere der netz- oder gitterartigen Struktur der durchsichtigen Flügel. Die erwachsenen Insekten und ihre Larven ernähren sich von Pflanzensaft. Mit ihrem Saugrüssel stechen sie die Blätter an und saugen die getroffenen Pflanzenzellen aus. Dadurch entstehen die auffälligen Punkte auf der Blattoberseite. Anders als bei Blattläusen entsteht allerdings kein klebriger Honigtau. Bei starkem Befall werden die Blätter fahl gelb und können vorzeitig absterben.
Die erwachsenen Wanzen überwintern in Rindenritzen und in der Bodenstreu. Im Frühjahr legen sie ihre Eier auf der Blattunterseite ab.
In der Schweiz vorkommende Arten zeigt die Seite von insects.ch.
Andromedanetzwanze an Lavendelheide
Platanennetzwanze, aufgenommen in Hurden (SZ)
Rhododendron: Schadbild Netzwanze an Blattoberseite
Platanennetzwanze
Netzwanzen lieben höhere Temperaturen. So ist es nicht verwunderlich, dass erste Funde der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Platanennetzwanze (Corythucha ciliata) vorwiegend aus wärmeren Regionen kamen. In der Schweiz wurde die Platanennetzwanze erstmals im Jahr 1976 nachgewiesen. Inzwischen hat sich diese Wanzenart dank wärmerer Sommer weiter verbreitet.
Durch die Saugtätigkeit der Tiere verlieren die Blätter ihre sattgrüne Farbe und erscheinen leicht aufgehellt oder silbrig. Nur bei sehr starkem Befall können die Bäume Schaden nehmen.
Für Autobesitzer, die ihre Fahrzeuge unter Platanen abstellen, können die leicht ätzenden Ausscheidungen der Wanzen allerdings zum Problem werden. Die dunklen Kottröpfen verursachen nämlich schnell Lackschäden und lassen sich nicht einfach mit Wasser abwaschen.
Netzwanzen an Rhododendron und Lavendelheide
Nach Angaben des deutschen Julius-Kühn-Institutes treten in Mitteleuropa drei verschiedene Arten auf: Amerikanische-Rhododendronnetzwanze (Stephanitis rhododendri), sie gelangte vor mehr als 100 Jahren nach Mitteleuropa, die Andromedanetzwanze (Stephanitis takeyai), die erstmals 2008 in der Schweiz nachgewiesen wurde und die eher selten auftretende Europäische Rhododendron-Netzwanze (Stephanitis oberti).
Über die drei vorkommenden Arten an Lavendelheide und Rhododendron informiert das Faltblatt „Netzwanzen an Heidekräutern“ des deutschen Julius-Kühn-Institutes.
Birnennetzwanze
Erst seit wenigen Jahren findet man die Birnennetzwanze (Stephanitis pyri) in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Die Wanzen kommen in Südeuropa häufig vor, breiten sich, wie andere Schädlinge auch, aber nach Norden aus. Die Art tritt nicht nur an Birne, sondern auch an andern Gehölzen aus verschiedenen Pflanzenfamilien auf. Häufiger ist sie an Felsenmispel (Cotoneaster spec.), Apfel, Quitte, Scheinquitte, Feuerdorn, Rose und Vogelbeere anzutreffen.
Ob die Birnennetzwanze nennenswerte Schäden an Birnen verursachen kann, ist noch unklar, da der Schädling erst seit Kurzem in der Schweiz beobachtet wird. Es ist aber davon auszugehen, dass die Bäume bei starkem Auftreten der Tiere geschwächt werden.
Eichennetzwanze
Die Eichennetzwanze (Corythucha arcuata) stammt ursprünglich aus Nordamerika und gelangte von dort nach Italien. In Österreich wurde sie 2019 im Burgenland und in Deutschland 2021 im Rhein-Neckar-Kreis nachgewiesen. Ausführliche Informationen zu dieser Netzwanzenart, die auch Esskastanien, Ahorn und andere Gehölze befallen kann, stellt das österreichische Bundesforschungszentrum für Wald zur Verfügung.
Dieser Text wurde von unserem Pflanzenschutzexperten Christoph Hoyer verfasst.