Apfel­schorf – Pilz­krank­heit an Äpfeln


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Biologie des Erregers Apel­schorf

Der Apfel­schorf ist eine Krank­heit, die durch den Pilz Ventu­ria inae­qualis hervor­gerufen wird. Vor allem zur Ernte­zeit findet man die grau-braunen Flecken auf der Schale der Früchte. Bei stärkerem Befall bilden sich um die Schorf­stellen herum Risse in der Frucht­schale, durch die dann Fäule­erreger wie die Monilia­fäule in die Frucht ein­dringen können. Befallene Früchte ent­wickeln sich nicht so gut und bleiben häufig kleiner als gesunde Äpfel.

Der Befall beginnt schon im Früh­jahr zur Zeit des Knospen­aufbruchs. Meist gehen die ersten Infek­tionen vom Fall­laub aus. Dort über­wintert der Pilz auf dem abgestor­benen Laub und bildet mit Beginn des Frühlings Sporen, die über Wind und Spritz­wasser auf die frisch ausgetrie­benen Blättchen der Apfel­bäume gelangen. Meist ist von diesem ersten Blatt­befall kaum etwas zu sehen. Erst bei genauem Hinschauen erkennt man die oliv­braunen Flecken auf den Blättern.
Schon sehr bald bildet der Pilz Sporen, die wieder andere Blätter anstecken.

Da der Pilz Feuchtig­keit benötigt, um in das Blatt­gewebe eindrin­gen zu können, sind Infek­tionen während feuchter Witte­rungs­phasen häufig. In Jahren mit trockenem Früh­jahrs- und Sommer­wetter, wie in den vergangen drei Jahren, ist der Infek­tions­druck gering. In diesem Jahr konnte man aller­dings schon gegen Ende Mai deutliche Infek­tionen mit dem Schadpilz fest­stellen. Mit zuneh­mender Vege­tations­entwick­lung verbrei­tet sich der Schorf­pilz immer weiter und es kommt sehr bald auch zu Befall an den Früchten.

Der Apfel­schorf ist die wichtigste Pilz­krank­heit des Apfels. Vor allem beim Anbau von Tafel­obst können schorfige Früchte kaum tole­riert werden. Befallene Äpfel bleiben nicht nur klein, sie reifen auch nicht so gut und bilden deutlich weniger Zucker und Aroma­stoffe. Ausser­dem altern kranke Früchte nach der Ernte schneller, so dass die Lager­fähigkeit negativ beein­flusst wird.
Ausführ­liche Informa­tionen zur Biologie des Pilzes bietet die Seite pflanzen­krank­heiten.ch.


Schadbild Apfelschorf
Schadbild Apfelschorf
Schadbild Apfelschorf

Schad­bilder von Äpfeln mit Apfelschorf-Befall (Ventu­ria inae­qualis)

Mass­nahmen gegen den Apfel­schorf

Im Erwerbs­anbau werden gegen den Apfel­schorf Fungi­zide einge­setzt. Um die Früchte vor Infek­tionen zu schützen sind i.d.R. viele Behand­lungen vom Früh­jahr bis in den Sommer erfor­derlich. Auch im profes­sionel­len ökolo­gischen Apfel­anbau kann derzeit noch nicht auf Spritz­behand­lungen gegen die Krank­heit verzichtet werden.

Im Garten ist die korrekte Durch­führung von Fungi­zidsprit­zungen aller­dings schwierig. Bei der Behandlung grös­serer Bäume lässt sich Abdrift auf andere Pflanzen kaum vermeiden und oftmals ist es auch schwierig, die erfor­der­lichen Mehr­fachbe­hand­lungen im richtigen zeit­lichen Abstand durchzu­führen.

Häufig werden alte Sorten als Lösung des Schorf­problems empfohlen. Aller­dings gibt es auch unter den Sorten, die schon seit über hundert Jahren im Anbau sind, solche mit hoher Anfällig­keit für Schorf, wie bei­spiels­weise die Sorten 'Golden Deli­cious' oder 'Cox Orange'. Alte Sorten oder so genannte Regional­sorten sind daher nicht auto­matisch vor Schorf­befall geschützt.

Bei Neu­pflanzungen bieten schorf­resis­tente Apfel­sorten eine gute Möglichkeit um befalls­freie Äpfel ernten zu können. Inzwi­schen gibt es dank inten­siver, welt­weiter Züchtung eine ganze Reihe von verschie­denen Sorten, die nicht oder kaum vom Schorf­pilz befallen werden.

Auch in der Schweiz betreibt die Agro­scope in Wädens­wil intensive Züchtungs­arbeit, aus der z.B. die schorf­resis­tenten Sorten 'Ladina' und 'Rustica' hervor­gegangen sind.
Wer sich über geeignete Sorten für den Garten informieren will findet ent­sprechende Empfeh­lungen der Bayeri­schen Landes­anstalt für Weinbau und Gartenbau in der Info­schrift «Die Favo­riten der Apfel­sorten für den Haus- und Klein­garten».
Auch beim Säulen­obst werden inzwi­schen die schorf­resis­tente Sorten 'Rondo', 'Rhap­sodie', 'Sonate' und 'Jucun­da' angeboten, die sich wegen ihres geringen Platz­anspruchs auch für den Anbau auf Terrasse und Balkon eignen.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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