Erd­flöhe – winzige Schäd­linge im Gemüse­garten


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Als Erdflöhe oder Floh­käfer werden verschie­dene, meist sehr kleine Käfer aus der Familie der Blatt­käfer bezeich­net. Die Tiere können sehr gut springen. Des­halb haben sie den Namen Erdfloh erhal­ten, sind aber mit der In­sekten­gruppe der Flöhe nicht ver­wandt.
Im Garten können vor allem ver­schie­dene Kohl­erd­floh­arten und der Raps­erd­floh Schäden an Kohl­gemüse, Rucola oder Ret­tich und Radies verur­sachen. Ausser­dem tritt noch der Kartof­fel­erdfloh an Kartof­feln, Tomaten und Auber­ginen auf. Meist sind die Schäden durch diese Art aber gering.

Bio­logie der Erd­flöhe am Bei­spiel der Kohl­erd­flöhe

Die erwach­senen Käfer sind, je nach Art, zwischen 1.8 bis 3 mm lang. Gut zu unter­schei­den sind gelb-schwarz ge­streif­te Arten und solche, die ein­heit­lich schwarz, blau oder oder auch dunkel­grün glänzend sind. Da alle Arten ähnliche Schäden verur­sachen, ist eine genaue Unter­schei­dung aber nicht nötig. Meist treten an Radies­chen, Rettich und Kohl­arten sowohl die gelb ge­streif­ten als auch die ein­farbi­gen Käfer gemein­sam auf.

Auf seiner Web­site pflanzen­krank­heiten.ch nennt Dr. Franz Xaver Schu­biger fünf Arten von Kohl­erd­flöhen:

  • Gelb­streifiger Kohl­erdfloh (Phyllo­treta nemo­rum)
  • Gewellt­strei­figen Kohl­erdfloh (Phyllo­treta undu­lata)
  • Blau­sei­diger Kohl­erdfloh (Phyllo­treta nigri­pes)
  • Gewöhn­licher (grün glän­zender) Kohl­erdfloh (Phyllo­treta cruci­ferae)
  • Schwarzer Kohl­erdfloh (Phyllo­treta atra)

Wer sich für die Unter­schiede der Arten interes­siert, findet einen Be­stim­mungs­schlüssel für die Gattung Phyllo­treta unter http://www.coleo­net.de­/coleo/texte­/phyllo­treta.htm.


Erdfloh Kohl

Erdfloh Kohl

Schadbild an Radieschen

Erdfloh Kohl

Erdfloh Kohl

Über­win­terung, Ent­wicklung und Fort­plan­zung

Die Käfer über­wintern geschützt im Bereich von Hecken oder in der Streu­schicht von Wald­rändern. Wenn die Boden­tempe­ratur im Frühling 10 bis 12°C erreicht, ver­lassen die Tiere ihre Winter­ver­stecke und beginnen an wild­wachsen­den Kreuz­blütlern, z.B. Hirten­täschel­kraut, Acker­heller­kraut oder Acker­senf zu fressen. Dabei ent­stehen Löcher in den Blättern. Im Laufe des Früh­jahrs fliegen die Käfer dann auf die Gemüse­beete, wo sie bevor­zugt junge Keim­linge von Radies­chen, Rettich, Rucola und Kohl­gemüse schädigen. Bei stärkerem Befalls­druck kann es zu sieb­artigem Loch­frass an den Blättern und sogar bis zum Ab­sterben der jungen Pflanzen kommen. Vor allem bei sonnigem Früh­jahrs­wetter sind die Tiere sehr aktiv und man findet auf den Pflanzen und Beeten hunderte von Käfern.

Die Weib­chen legen ihre Eier am Boden oder an den boden­nahen Blättern ihrer Wirts­pflanzen ab. Aus den Eiern schlüpfen nach unge­fähr zehn Tagen die Larven der Käfer. Sie fressen, je nach Art an den Wurzeln und dem Wurzel­hals oder als Minie­rer in den Blät­tern. Nach zwei bis drei Wochen ist die Larven­ent­wick­lung abge­schlos­sen und es erfolgt die Ver­puppung der Tiere in einem Kokon im Boden.

In der Regel ist der Schaden durch den Larven­frass an den Gemüse­kulturen gering und wird meist gar nicht wahr­genommen. Im Hoch­sommer erscheint dann die neue Käfer­gene­ration, die an Blättern und jungen Trieb­spitzen aller Gemüse­pflanzen aus der Familie der Kreuz­blütler oder Kohl­gewächse schädigt. Im Herbst suchen die Tiere dann ihre Winter­ver­stecke auf.


Radieschen

Im Laufe des Früh­jahrs fliegen die Käfer dann auf die Gemüse­beete, wo sie bevor­zugt junge Keim­linge von Radies­chen, Rettich, Rucola und Kohl­gemüse schädigen.

Raps­erd­floh (Psyllio­des chry­soce­phalus)

Dieser Erd­floh schädigt vor allem im Raps­anbau, kann aber auch an Radies und Rettich Schäden durch Minier­frass an den Blätter verur­sachen. Aus­führliche Infor­matio­nen zu diesem Käfer bietet die Seite https://www.pflanzen­krank­heiten.ch/­schaedlinge/­ackerbau/­psylliodes-chryso­cephala.

Bekäm­pfung

Leider gibt es keine wirklich effek­tive Bekäm­pfungs­möglich­keit. Im Früh­jahr können Wachs­tums­vliese den Zuflug der Käfer ver­hindern. Sobald aber die Vliese bei höheren Tempe­ratu­ren abge­nommen werden, ist mit Schäden zu rechnen.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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