Rost­pilze an Kräutern, Gemüse & Blumen be­kämpfen


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Echte Mehl­tau­pilze mit ihrem typisch mehl­artigen Belag auf Blättern und Trieben sind vielen Gärtnern bekannt. Nicht ganz so häufig findet man Vertreter aus der biologisch sehr interes­santen Gruppe der Rost­pilze an Garten­pflanzen. Diese para­sitisch lebenden Pilze bilden ihre Sporen, die für die Verbrei­tung sorgen, in so genannten Sporen­lagern. Je nach Pilz­art sind sie rost­farben, aber auch rot, orange, gelb oder dunkel­grau. Eine Besonder­heit sind die weissen oder creme­farbenen Sporen­lager des Chry­santhemen­rostes.

Rost­pilze – eine bio­logisch interes­sante und viel­fältige Pilz­gruppe

Rost­pilze bilden im Laufe des Jahres mehrere Sporen­formen. So ent­stehen beim Schnitt­lauch­rost im Früh­jahr orange­farbene, längs­ovale Sporen­lager auf den Blättern. Im Laufe des Früh­sommers und Sommers bildet sich dann dunkel­braune Sporen. Auch beim Malven­rost, von dem Stock­rosen sehr gern befallen werden, kann man die unter­schiedlich gefärbten pustel­artigen Sporen­lager auf den Blättern und dem Stängel beobachten. Oft zeigen sich schon im März die gelben bis orange­farbenen Sporen­lager auf der Blatt­unter­seite. Später bilden sich dann graue Sporen­lager, aus denen braune Sporen hervor­quellen.


Lauchrost (Puccinia-allii)

Lauchrost (Puccinia-allii)

Malvenrost (Puccinia malvacearum)

Malvenrost (Puccinia malvacearum)

Nelkenrost(Puccinia arenariae)

Nelkenrost(Puccinia arenariae)


Auf Grund der viel­fältigen Erschei­nungs­formen der Rost­pilze ist es nicht ganz einfach, einen Befall eindeutig zu bestimmen. Findet man auf den Blättern Pusteln, oft mit auf­brechen­der Blatt­haut, dürfte es sich in vielen Fällen aber um einen Rost­pilz handeln.

An Blumen, Gemüse und Kräutern findet man folgende Rost­pilze:

Kultur­pflanze Rost­pilz Wissen­schaftli­cher Name
Lauch, Schnitt­lauch, Knob­lauch Lauch­rost Puccinia allii
Busch- und Stangen­bohne Bohnen­rost Uromyces appen­dicu­latus
Erbse Erbsen­rost Uromyces pisi
Minze Minzen­rost Puccinia menthae
Spargel Spargel­rost Puccinia asparagi
Randen Rüben­rost Uromyces betae
Stock­rosen und andere Malven­arten Malven­rost Puccinia malvacearum
Löwen­mäulchen - Puccinia antirrhini
Bart­nelke und viele Arten aus der Familie der Nelken­gewächse Nelken­rost Puccinia arenariae

Eine Besonder­heit bei einigen Rost­pilz­arten ist der so genannte Wirts­wechsel. Der bekann­teste wirts­wechselnde Rost­pilz ist der Birnen­gitter­rost. Dieser Pilz tritt an zwei ver­schie­denen Wirts­pflanzen auf, an Birne und einigen Wacholder­arten. Aus­führ­liche Infor­mationen zu diesem Wirts­wechsel des Birnen­gitter­rostes bzw. des Wachol­der­blasen­rostes bietet z.B. die Seite pflanzen­krank­heiten.ch. Hier findet man auch die Beschrei­bung eines nicht wirts­wechseln­den Rost­pilzes am Bei­spiel des Rüben­rostes, der auch Randen infi­zieren kann.

Die an Gemüse und Blumen auf­tretenden Rost­pilze entwickeln sich zum grössten Teil nur an einer Wirts­pflanze und bilden dort über das Jahr ihre unter­schied­lichen Sporen­formen. Sie werden daher als nicht wirts­wechselnde Roste bezeichnet.

Mass­nahmen gegen Rost­pilz­befall

Resistente oder tolerante Sorten

Sorten, die nicht oder kaum vom Rost­pilz befallen werden, wären die optimale Lösung. Leider gibt es rost­resistente Sorten nur in sehr wenigen Fällen. Ein positives Beispiel ist die Löwen­mäulchen­sorte 'Profi F1'. Bei Stock­rosen sollen die Hybriden 'Park­allee', 'Park­frieden' und 'Park­rondel', die von Stauden­gärtne­reien angeboten werden, ein Lösung des Rost­problems bieten.

Auch bei Bohnen­sorten gibt es deutliche Unter­schiede in der Anfällig­keit gegenüber dem Bohnen­rost. Aller­dings fehlt es an verläss­lichen Informa­tionen, welche Sorten tat­sächlich kaum oder gar nicht vom Rost befallen werden.

Direkte Bekämpf­ungs­mass­nahmen

Zeigt Schnitt­lauch Rost­befall, sollte das Laub zurück­geschnit­ten werden. Der Neuaus­trieb ist dann für eine gewisse Zeit befalls­frei. Für einzelne Kulturen gibt es zuge­lassene Präparate. Nähere Hinweise zu den zuge­lassen Präparaten bietet das Pflanzen­schutz­mittel­ver­zeichnis des Bunde­samtes für Land­wirt­schaft BLW. Hier findet sich auch das u.a. für Zier­pflanzen zuge­lassene Mittel Fenicur, das als Wirk­stoff Fenchel­öl enthält.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.
Nach oben