Virusbefall an Zucchettipflanze

Viruserkrankungen an Kulturpflanzen erkennen und vorbeugen

Schädlinge, wie Blattläuse oder Schmetterlingsraupen sind den meisten Gärtnern schon mal begegnet. Auch gängige pilzliche Pflanzenkrankheiten, wie Echter Mehltau, Sternrusstau oder Grauschimmel bereiten immer wieder Probleme. Dass Pflanzen auch von Viren infiziert werden können, ist bei Hobbygärtner eher unbekannt. Tatsächlich spielen Viruserkrankungen (Virosen) im Garten eine untergeordnete Rolle. In Landwirtschaft und Produktionsgartenbau führen Viruserkrankungen allerdings z.T. zu erheblichen Schäden.

Wie erkennt man eine Virusinfektion?

Die Schadbilder von Virosen sind häufig unscheinbar und unspezifisch. Daher werden Viruserkrankungen meist nicht erkannt.

Oft sind es nur leichte Veränderungen in der Blattfarbe oder es zeigen sich Wachstumsstörungen und leichte Deformation. So verursacht das Gurkenmosaikvirus an Zucchetti unregelmässige Blattaufhellungen und leichte, beulenartige Verformungen an den Früchten, die auf den ersten Blick kaum auffallen. Gegenüber gesunden Pflanzen ist das Wachstum reduziert. Befallene Früchte kann man aber bedenkenlos verzehren. Viren, die Pflanzen infizieren, sind für Mensch und Tier harmlos, da sie sich im Körper nicht vermehren können, wenn sie z.B. mit der Nahrung aufgenommen werden.

Häufig auftretende Viruserkrankungen im Garten

Zucchetti, Kürbis und Gurke

Vor allem Zucchetti und Kürbis werden regelmässig mit mit dem Gurkenmosaikvirus infiziert. Es werden aber auch Gurken und Melonen befallen. Da Viren sich nicht aktiv verbreiten können, sind sie in vielen Fällen auf einen Überträger (Vektor) angewiesen, der sie von einer erkrankten auf eine gesunde Pflanze überträgt. Beim Gurkenmosaikvirus und vielen anderen Viren sind Blattläuse für die Übertragung verantwortlich. Sie saugen Pflanzensaft mit Viruspartikeln, die sie beim Anstich der nächsten Pflanze in deren Gewebe injizieren.

Virusbefall an Zucchetti

Virusbefall an Zucchetti

Virosen an Karotffel

Virosen an Kartoffel

Viruserkrankung an Petersilie

Viruserkrankung an Petersilie

Kartoffel

Zeigen Kartoffelblätter diffuse Aufhellungen, die oft als Mosaikscheckung bezeichnet werden, kann eine Infektion mit dem Kartoffel-Y-Virus vorliegen. Je nach Kartoffelsorte oder Virusstamm, treten auch strichartige, braune bis graue Flecken (Tintenspritzer) auf. An den Knollen verursacht der Erreger ringartige, nekrotische Flecken in der Schale.

Typische Blattrollungen ruft ein Befall mit dem Kartoffel-Blattrollvirus hervor. Allerdings können auch Trockenheit oder andere Ursachen dafür sorgen, dass die Fiederblätter einrollen. Bei Befall mit beiden Viren wird das Wachstum gestört und die infizierten Pflanzen bleiben gegenüber gesunden kleiner. Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse. Legt man im Frühjahr infizierte Pflanzkartoffeln, verbreitet sich das Virus mit dem Wachstum in der Pflanze und vermehrt sich dort. Daher werden bei der Anzucht von Pflanzkartoffeln regelmässig Untersuchungen und Virustests durchgeführt. Auf der Seite agrarforschungschweiz.ch werden weiterführende Informationen zur Kartoffeltestung angeboten.

Petersilie, Koriander, Dill und Karotten

Auch an diesen Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) kommt es häufig zu virusbedingtem Kümmerwuchs. Die Blätter verfärben sich gelblich bis rötlich und sind leicht deformiert. Häufig sorgt im Sommer noch ein Befall mit der Möhrenwurzelhalslaus für zusätzliche Wachstumsdepressionen.

Virosen an Ziergehölze
Viruserkrankung Sonnenblume
Rosenmosaikkrankheit an Rosenblättern

Viruserkrankungen an Kulturpflanzen treten im Garten eher selten auf, können jedoch in Landwirtschaft und Erwerbsanbau grosse Schäden verursachen. Da eine direkte Bekämpfung nicht möglich ist, sind gesundes Pflanzmaterial und die Kontrolle von Überträgern wie Blattläusen oder Thripsen die wichtigsten Vorsorgemassnahmen.

Virosen an Kern- und Steinobst

Auch Obstgehölze werden von Viren infiziert. Am häufigsten tritt das Scharkavirus auf, das Pflaumen, Zwetschen, Mirabellen und Pirsich befällt. Übertragen wird dieses Virus ebenfalls durch Blattläuse. Ausführliche Informationen zum Scharkavirus bietet das Kompetenzzentrum Agroscope. An Wild- oder Vogelkirschen ist das Chlorotische Ringfleckenvirus zu finden. Dank entsprechender Hygienemassnahmen bei der Anzucht von Süsskirschen spielt das Virus im Garten keine Rolle. Gleiches gilt für eine Reihe weiterer Viren an Obstgehölzen.

Virosen an Ziergehölzen und krautigen Zierpflanzen

Viruserkrankungen an Zierpflanzen sind schon seit langem bekannt, auch wenn vor mehreren hundert Jahren kein Mensch wusste, dass die begehrten, auffällig bunt gescheckten oder gestreifte Tulpenblüten ihr Aussehen einer Viruskrankheit verdanken, die Dank der vegetativen Vermehrung über Tochterzwiebeln an alle Nachkommen weitergegeben wurde. Ähnlich verhält es sich bei der Schönmalve (Abutilon Hybr.), die als Topfpflanze gerade wegen ihrer auffälligen Mosaikscheckung der Blätter kultiviert wurde.

In vielen Fällen sind die Virussymptome an Zierpflanzen eher als harmlos einzustufen. Meist werden die diffusen Symptome sowieso nicht erkannt. Im professionellen Zierpflanzenbau können einige Viren, z.B. das Tomatenbronzefleckenvirus und das Impatiensfleckenvirus, das viele verschiedene Pflanzenarten befallen kann jedoch z.T. erhebliche Schäden verursachen. Beide Viren werden von Thripsen übertragen, die vor allem in Gewächshäusern vorkommen.

Virusbefall an Fliederblatt

Virusbefall an Fliederblatt

Virus an Blatt von Pfingstrose

Virus an Blatt von Pfingstrose

Scharkavirus an Pflaumenblatt

Scharkavirus an Pflaumenblatt

Bekämpfung

Viren sind in Landwirtschaft und Gartenbau wichtige Krankheitserreger. Da eine direkte Bekämpfung von Viren nicht möglich ist, wird hier besonders auf gesundes Pflanzmaterial und die Bekämpfung der Überträger gelegt. Im heimischen Garten spielen Viruserkrankungen allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

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Christoph Hoyer

Dieser Text wurde von unserem Pflanzen­schutz­experten Christoph Hoyer verfasst.

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