Echte Mehl­tau­pilze an Kräu­tern und Blumen


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

An Gehöl­zen und krau­tigen Garten­pflanzen tritt relativ häufig Echter Mehl­tau auf. Genau genommen handelt es sich beim Echten Mehl­tau um eine Pilz­gruppe mit vielen verschie­denen Gattungen und Arten. Die Bezeich­nung Mehl­tau erhiel­ten diese Pilze, weil sie in den meisten Fällen auf Blättern, Trieben und z.T. auch Früchten einen typi­schen weissen, mehl­artigen Belag bilden.
Dieser Belag besteht aus einem Gespinst von Pilz­fäden (Hyphen), in dem sich an mikro­skopisch kleinen Sporen­trägern die Sporen bilden. Diese Ver­meh­rungs­organe werden vom Wind verbrei­tet.

Schad­bild von Mehl­tau unter­schied­lich je nach Pflanze

Nicht immer bildet sich bei Mehl­tau­befall weisser Belag, wie man ihn bei Apfel, Rose oder Gurke findet. So ist bei Stachel- und Johannis­beere der Belag zwar anfangs weiss, färbt sich später aber dunkel­braun. An Minze, aber auch an Grün- oder Rosen­kohl, verfärbt sich das anfäng­lich weisse Myzel später auf­fällig grau. Die meisten Echten Mehl­tau­pilze erkennt man aber recht gut an dem weissen, spinn­weben­artigen Belag.

Will man die verschie­denen Mehl­tau­arten unter­scheiden muss man genau genommen die bota­nischen Bezeich­nungen der Pilze verwenden. Ausser­dem werden neben dem jeweils aktuell gültigen wissen­schaft­lichen Namen noch viele wissen­schaft­liche Synonyme verwendet, was für Verwirrung sorgt.

Im Deutschen spricht man i.d.R. vom Echten Mehltau an einer bestimmten Pflanzen­art, z.B. dem Echten Minze­mehl­tau, dem Echten Gurken­mehl­tau oder dem Echten Mehl­tau an Kissen­aster. Da in einigen Fällen an einer Pflanzen­art auch mehrere Mehl­tau­arten vor­kommen können, bleibt die Ver­wendung deutscher Namen unpräzise.

In der gärtne­rischen Praxis sind genaue botanische Kennt­nisse über die Echten Mehl­tau­pilz­arten aller­dings nicht erfor­derlich. I.d.R. reicht es voll­kommen aus, wenn der Schad­pilz als Echter Mehl­tau identi­fiziert werden kann.


Schadbild echter Mehltau an Blatt
Schadbild echter Mehltau an Tomatenblatt
Schadbild echter Mehltau an Blatt

Unter­scheidung Echter und Falscher Mehl­tau

Neben den Echten Mehl­tau­pilzen gibt es noch die Gruppe der Falschen Mehl­taupilze. Sie bilden eine eigene Pilz­gruppe, sind also nicht mit den Echten Mehl­tau­pilzen verwandt. In den wenigsten Fällen bilden die Falschen Mehl­tau­pilze weissen Pilz­rasen, sind also auch optisch kaum mit den Echten Mehl­tau­pilzen zu verwechseln.

Häufig hilft bei der Unter­scheidung auch eine Geruchs­probe. Reibt man mit den Fingern an dem Pilz­belag, so entsteht beim Echten Mehl­tau oftmals ein ange­nehmer Geruch, der an Wald­pilze oder Champig­nons erinnert.


Tabelle 1: Pflanzen an denen häufiger sowohl Echter als auch Falscher Mehl­tau auf­tritt.

Pflanze Echter Mehl­tau Falscher Mehl­tau
Gurke Podos­phaera xant­hii, Golo­vino­myces cicho­racea­rum Pseudo­perono­spora cuben­sis
Nüssli­salat Golo­vino­myces oron­tii Perono­spora vale­ria­nellae
Sonnen­blumen Golo­vinomy­ces cicho­racea­rum Plasmo­para helian­thi
Ver­giss­mein­nicht Golo­vinomy­ces cyno­glossi Perono­spora myo­soti­dis

Echte Mehl­tau­pilze an Kräutern

An Heil- und Gewürz­kräuter treten verschie­dene Echte Mehl­tau­pilze auf. Hier stellt sich die Frage, ob leicht befallene Blätter, z.B.von Minze oder Peter­silie, noch verwendet werden können.

Hinter­grund dafür ist die Tatsache, dass verschie­dene pflanzen­parasi­täre Pilze Gift­stoffe (Myco­toxine) bilden. Am bekann­testen dafür sind Schimmel­pilze oder Fäule­erreger, wie Fusarium.
Experten­wissen zu Myco­toxinen bietet die Website der DLG.

Eine Myco­toxin­bildung scheint es bei Echten Mehl­taup­ilzen nicht zu geben. Aller­dings fehlen dazu verläss­liche Daten, so dass Vorsicht geboten ist und man besser auf den Verzehr befallener Blätter verzichten sollte.

An folgenden Kräutern tritt häufig Echter Mehl­tau auf: Peter­silie, Minze, Zitronen­melisse, Pimpi­nelle, Salbei und Borretsch.

Echte Mehl­tau­pilze an Blumen

An vielen Stauden sowie an ein- und zwei­jährigen Blumen treten eben­falls regel­mässig Echte Mehl­tau­pilze auf. In den meisten Fällen vertragen die Pflanzen einen Befall recht gut. Aller­dings beein­träch­tigt der mehl­artige Belag den Zierwert der Pflanzen. In manchen Fällen, wie bei Ritter­sporn, Kissen­aster oder Ringel­blume kann auch die Wüchsig­keit unter einem Befall leiden.

Bekämpfung

Zugelas­sene Präpa­rate für die nicht­berufliche Verwendung zur Bekämpfung von Echtem Mehl­tau an Küchen­käutern und Blumen finden sich im Pflanzen­schutz­mittel­verzeich­nis des Bundes­amtes für Land­wirt­schaft.

Produkte zur bio­logischen Bekämpung vom Echten Mehl­tau und vom Falschen Mehl­tau finden Sie auch bei uns im Shop.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.
Nach oben