Krankheiten im Obstgarten - Befallsdruck schon im Winterschnitt reduzieren


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Krank­heits­erreger an Obst­ge­hölzen, wie Echte Mehl­taupilze, Schorf oder die Monilia-Frucht­fäule über­dauern den Winter auf Trieben, in Knospen, auf dem Fall­laub oder an so ge­nannten Frucht­mumien.

Wenn im Spät­winter bei möglichst frost­freiem Wetter der Winter­schnitt er­folgt, kann man einiges dafür tun, dass der In­fektions­druck vieler Pilz­krank­heiten re­duziert wird.

Lockere und wind­durch­lässige Kronen

Infektionen mit Blatt­flecken­pilzen, vor allem dem Apfel- und Birnen­schorf, sowie der Monilia-Spitzen­dürre kann man vor­beugen, indem man beim Schnitt darauf achtet, dass die Baum­kronen locker und luftig auf­ge­baut sind. Nach einer alten Gärtner­regel soll man einen Hut oder viel­leicht eher eine Mütze durch die Krone eines Obst­baumes werfen können.

Gerade ältere Bäume werden im Laufe der Jahre zu dicht, so dass hier ab und an ein Aus­lichtungs­schnitt mit Säge und Schere er­forderlich wird.

Der lockere Kronen­auf­bau be­günstigt nicht nur ein schnelleres Ab­trocknen der Blätter und Früchte nach Regen­fällen, er sorgt auch dafür, dass möglichst alle Früchte aus­reichend Licht und Sonne er­halten. So können sich z.B. Äpfel oder Birnen besser ent­wickeln. Be­sonnte Früchte bilden mehr Aroma und Zucker und weisen am Ende ihrer Ent­wicklung eine bessere Frucht­farbe auf.

Deutl­ich zu sehen ist das bei­spiels­weise an der Apfel­sorte 'Golden Delicious': Gut be­sonnte und luftig hängende Früchte zeigen deutlich weniger Schorf­befall, sind meist größer und können die, für die Sorte typische goldgelbe Grund­farbe mit einem Hauch von Rot als Deck­farbe ausbilden. Ausser­dem haben sie einen deutlich höheren Zucker­gehalt.

Früchte der gleichen Sorte, die in zu dichten Baum­kronen wachsen und deshalb wenig Sonne erhalten, bleiben häufig klein, grün und fad im Ge­schmack. Ausser­dem setzt ihnen der Apfel­schorf meist heftig zu.

Auch bei Sauer­kirschen lässt sich der positive Effekt einer locker auf­ge­bauten Krone gut be­obachten. Gut aus­ge­lichtete Bäume, bei denen ausser­dem durch regel­mässigen Schnitt der Neu­trieb ge­fördert wird, sind wenig an­fällig für die ge­fürchtete Monilia-Spitzen­dürre und die Schrot­schuss­krankheit, die Blätter und Früchte be­fällt. Natür­lich wirken sich die Schnitt­mass­nahmen auch hier positiv auf die Frucht­qualität aus.


Apfelmehltau

Apfelmehltau - befallener Trieb oben

Monilia-Fruchtfäule

Fruchtmumie an Apfel

Monila-Spitzendürre

Spitzendürre bei Sauerkirsche

Frucht­mumien entfernen

Bei Kern- und Stein­obst führt der Monilia-Pilz häufig zu Frucht­fäulen. Ein Teil der be­fallenen Früchte trocknet im Spät­herbst ein und bildet so genannte Frucht­mumien, die lange im Baum hängen bleiben. Diese Frucht­mumien bilden in der nächsten Vegetations­periode Sporen, die die neuen Früchte in­fizieren können.

Es empfiehlt sich daher, solche Frucht­mumien beim Baum­schnitt zu ent­fernen. Einen Be­fall mit dem Frucht­fäule­erreger kann man so zwar nicht ve­rhindern, als hygienische Mass­nahme ist die Be­seitigung solcher Infektions­quellen aber durch­aus sinn­voll.

Be­fallene Triebe be­seitigen

Sind Triebe, z.B. durch die Monil­ia-Sitzen­dürre ab­ge­storben, sollte man bis ins ge­sunde Holz zurück­schneiden. Ge­rade bei der Sauer­kirsche ist diese Mass­nahme recht wirkungs­voll. In jedem Fall gilt, dass totes Holz im­mer gross­zügig aus der Krone her­aus­zu­schneiden ist.

Auch das Zurück­schneiden von mehl­tau­befallenen Trieben bei Apfel, Stachel- und Johannis­beere wirkt be­falls­mindernd.

Da der fach­ge­rechte Obst­baum­schnitt um­fang­reiche Kennt­nisse er­fordert, sei hier auf die Ver­öffen­tlichung Sach­ge­rechter Obst­bau­mschnitt der Infor­ama verwiesen.

Sehr empfehl­enswert sind auch Obst­baum­schnitt­kurse, bei denen man den Schnitt unter An­leitung er­lernen kann. Sie werden z.B. von Garten­ver­einen, Obst­bau- und Natur­schut­zver­bänden, land­wirtschaft­lichen Fort­bildungs­einrichtungen und z.T. auch von Garten­centern und Baum­schulen an­ge­boten.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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