Schlupf der Blatt­läuse an Zier-und Obst­ge­hölzen


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

An Obst- und Zier­gehöl­zen treten regel­mässig Blatt­läuse auf. Meist fallen sie ab Mitte Mai oder sogar erst im Juni auf, wenn sie in grosser Menge die Triebe und Blätter von Sträuchern und Bäumen besiedeln. Der Schlupf aus den Winter­eiern erfolgt aller­dings bei einigen Arten oft schon im März. In Mittel­europa gibt es, je nach Quelle, zwischen 750 bis 850 verschie­dene Blatt­laus­arten.

In Gärten bereiten aller­dings nur einige davon Probleme. Häufig anzu­treffende Ver­treter an Obst­gehölzen sind: Mehlige Apfel­blatt­laus, Schwarze Kirschen­blatt­laus, Jo­hannis­beer­blasen­laus oder die Mehlige Pflaumen­blatt­laus.

An Rosen kommt regel­mässig die Rosen­blatt­laus vor und an Schnee­ball und Pfaffen­hütchen bilden sich im Früh­jahr oft grosse Kolonien der Schwarzen Bohnen­laus.

Kälte­tole­rante Blatt­laus­eier und rasante Ver­mehrung

Viele Blatt­laus­arten über­stehen den Winter als Ei. So kann man im Winter z.B. die glänzend schwarzen Eier der Rosen­blatt­laus an jungen Trieben der Rose finden; ebenso die schwarzen Eier der Jo­hannis­beer­blatt­läuse an ein­jährigen Trieben der Johannis­beere.

Kälte und Frost machen den Blatt­laus­eiern wenig aus. Sie sind gut an Kälte angepasst. Erst wenn die Tem­pera­turen im Spät­winter bzw. im zei­tigen Früh­jahr an­steigen und sich im März die Knospen von Rosen oder Jo­hannis­beer­sträu­chern ent­falten, schlüpfen die ersten win­zigen Blatt­laus­larven. Diese aus den Winter­eiern schlü­pfenden Tiere werden als die Stamm­mütter be­zeichnet. Sie produ­zieren, sobald sie heran­gewachsen sind, auf un­ge­schlecht­lichem Weg, der so genann­ten Jung­fern­zeugung oder Parthe­no­genese, Un­mengen von neuen Blatt­läusen.

Bei günstigen Witte­rungs­bedingungen entstehen so inner­halb weniger Wochen mehrere Gene­rati­onen von Blatt­läusen, die in Kolonien an den jungen Trieben und Blättern saugen.


Die Eier von Apfel­blatt­läusen und Schwarzer Kirschen­laus bleiben länger in Winter­ruhe. Hier beginnt der Larven­schlupf eben­falls erst, wenn die Knospen sich öffnen. Das ist meist im April der Fall, kann sich bei kühler Früh­jahrs­witterung aber auch bis in den Mai hin­ziehen.

In etwa zur gleichen Zeit schlüpfen die Larven der Schwarzen Bohnen­laus, die den Winter im Ei­stadium auf Pfaffen­hütchen und Schnee­ball über­dauern. Im Laufe des Früh­sommers be­siedeln geflü­gelte Stadien der Schwarzen Bohnen­laus Rüben, Puff- oder Sau­bohnen, Randen (Rote Bete), Kraut­stiel (Mangold) und Dahlien. Dort vermehren sie sich bis in den Herbst hinein.


Blattlauseier

Blatt­laus­eier

Mehlige Apfelblattlaus ungeflügelt

Mehlige Apfel­blatt­laus, un­geflü­gelt

Johannisbeerblasenlaus ungeflügelt

Johannis­beer­blasen­laus, un­geflü­gelt

Besonders junge Gehölze ge­fährdet

Die im März oder April schlüpf­enden Stamm­mütter und ihr erster Nach­wuchs bereiten in der Regel keine sicht­baren Probleme an Obst- und Zier­gehölzen. Bei milder Früh­jahrs­witterung können wegen des enormen Ver­mehr­ungs­poten­tials der Blatt­läuse aber inner­halb kurzer Zeit grosse Blatt­laus­kolonien ent­stehen. Durch die Saug­tätig­keit der Tiere kommt es z.B. bei der Jo­hannis­beer­trieb­laus, der Mehligen Apfel­blatt­laus oder der Schwarzen Kirschen­laus zu De­forma­tionen an jungen Trieben und Blättern.

Ältere Bäume und Sträucher ver­tragen solch einen Blatt­laus­befall meist recht gut. Für junge Gehölze, bei denen eine un­gestörte Trieb­ent­wicklung für den Kronen­auf­bau oder die Ent­wicklung einer ertrags­fähigen Strauch­form im Vorder­grund steht, kann ein früher Blatt­laus­befall durchaus nach­teilig sein.

In diesen Fällen kann daher eine Be­hand­lung mit zu­gelas­senen Bio-Pflanzen­schutz­mitteln sinn­voll sein, um einer Massen­ver­mehrung vor­zu­beugen. Als anwendungs­fertiges Prä­parat im prak­tischen Hand­pump­sprüher gibt es z.B. Insect-Ex AF.

Sollen mehrere Sträu­cher oder Bäume mit einem Sprüh­gerät be­handelt werden, bieten sich die Konzen­trate Natural oder Neem-Azal-T/S an.


Wer sich vorab über die Mittel infor­mieren will, findet alle erfor­derlichen Hin­weise unter der Handels­bezeich­nung im Pflanzen­schutz­mittel­ver­zeich­nis des Bundes­amtes für Land­wirt­schaft.

Weitere Infor­mationen sowie Produkte zur biolo­gischen Be­kämpfung von Blatt­läusen finden Sie unter den folgen­den Links:

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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