Wildbienen und andere Besucher am Insektenhotel


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Seit einigen Jahren erfreuen sich Insekten­hotels grosser Beliebt­heit. So ist es nicht verwun­derlich, dass viele Menschen mit einem selbst gebauten oder gekauften Insekten­hotel einen Beitrag gegen das viel diskutierte Insekten­sterben leisten wollen. Im Vordergrund steht dabei meist die Förderung der so genannten Wildbienen, die auch als Bestäuber eine wichtige Rolle spielen.

In der Regel bestehen die klassischen Insekten­hotels aus einem Rahmen, in den verschie­dene Materialien eingebaut werden, in denen sich die Insekten verstecken können oder in die sie ihre Eier ablegen. Ein Dach mit entspre­chendem Überstand schützt das Bauwerk aus Holz, Ton, Holzbeton oder Röhricht vor Nieder­schlägen.

Wild­bienen

Der Begriff Wildbiene bezeichnet keine zoolo­gisch exakt definierte Insekten­gruppe. Gemeint sind damit viele Bienen­arten, ausser der Honigbiene. So zählen z.B. auch die verschie­denen Hummeln oder die para­sitisch lebenden Gold­wespen und Wespen­bienen zu den Wild­bienen.
Sehr ausführ­liche und interessante Informa­tionen zu den Wildbienen bietet u.a. die empfehlens­werte Seite wild­bienen.info.

Die Vielfalt der Wild­bienen­arten und ihrer so unter­schied­lichen Lebens­weise ist enorm. Nur ein sehr kleiner Teil davon nutzt die selbst­gebauten oder handels­üblichen Insekten­hotels tatsächlich.

In der Regel sind es nicht die seltenen und bedrohten Arten, sondern einige wenige Vertreter aus der Gruppe der Mauer­bienen, die häufig in Gärten zu finden sind und dank ihrer Anpassungs­fähigkeit an Nahrung und Brut­gelegen­heit auch ohne künstliche Brut­hilfen auskommen.

Ausserdem brüten drei Viertel der heimischen Wild­bienen­arten im Boden und können daher mit den künstlichen Nist­hilfen aus Holz, Stein oder Pflanzen­stängeln nichts anfangen.

Besucher von Insekten­hotels

Von den klassischen Insekten­hotels werden hauptsächliche Solitär­bienen angelockt, die ihre Eier in Hohlräumen verschie­denster Art ablegen. Solche natür­lichen Hohl­räume bieten in der Natur Pflanzen­stängel, morsche oder rissige Hölzer oder Fugen und Risse in Mauern und Gesteins­formationen. Am häufigsten trifft man in Gärten die Rostrote Mauer­biene (Osmia bicornis) und die Gehörnte Mauer­biene (Osmia cornuta).


Gehörnte Mauerbienen (Osmia cornuta) bei der Paarung
Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) auf Blume
Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) an Bambusrohr

Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) ist eine typische Art, die sich in Wildbienen­nistkästen einnistet und beobachtet werden kann.


Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis)
Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis)
Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis)

Auch die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) trifft man häufig an den gänigen Wildbienen­nistkästen an.

Sie kann man schon im zeitigen Frühjahr an sonnigen Tagen beobachten, wenn sie in den bröcke­ligen Fugen einer Mauer, in einem Holz­pfahl, oder zwischen den Nut- und Feder­brettern des Garten­hauses verschwindet. Dort legt sie in einem Brutgang ihre Eier ab. Ausserdem deponiert sie reichlich Pollen als Nahrung für die aus den Eiern schlüpfenden Larven in die Brutröhre. Bei der Auswahl eines geeigneten Brut­raums sind diese Mauer­bienen nicht besonders wählerisch.

In einem naturnahen Garten finden die genannten Mauer­bienen meist ausreichend Brut­möglich­keiten und sind nicht auf ein Insektenhotel angewiesen.

Die meisten Wild­bienen­arten, die man in Gärten z.B. auf Blüten oder im Rasen und zwischen Boden­deckern beobachten kann, legen ihre Brut­gänge im Boden an. Man erkennt ihre Anwesenheit an den kreis­runden Löchern, die im Rasen, im Gemüse­beet oder in den Sandfugen des Terrassen­pflasters zu finden sind.

All diese boden­brütenden Arten lassen sich nicht durch das Aufstellen von Insekten­hotels anlocken. Auch für solche Wild­bienen­arten, die ihre Brut in leeren Schnecken­häusern heran­ziehen, sind die typischen Insekten­hotels nicht attraktiv.

Aus diesem Grund tragen künst­liche Brut­gelegen­heiten normaler­weise nicht dazu bei, die Vermehrung bedrohter Wild­bienen­arten zu fördern. Und auch die oft erwähnte Bestäu­bungs­leistung durch Wildbienen wird durch das Aufstellen eines Insekten­hotels kaum gefördert. Dennoch kann das Aufstellen von Insektenhotels Vorteile Nutzen bringen.


Wildblumenwiese für Wildbienen
Wildbiene an Nistholz
Wildkräuterwiese für Wildbienen

Wildbienen sind insbesondere angewiesen auf natürliche Lebens- und Schutzräume, sowie an ein breites Nahrungs­angebot für die verschiedenen Arten.

Nutzen von Insekten­hotels


Auch wenn künstliche Insekten­brut­hilfen so gut wie keinen Beitrag zum Insekten­schutz leisten können, bieten sie eine hervor­ragende Möglich­keit sich mit dem hoch­interes­santen und komplexen Leben der Insekten vertraut zu machen. In einem Insekten­nisthaus zum Beo­bachten kann man sogar die Entwicklung vom Ei bis zur Puppe verfolgen, da die Brut­röhren aus klarem Glas bestehen.

Gerade für Kinder und Jugendliche kann das Aufstellen eines Nistplatzes sinnvoll sein, da die Tiere so hautnah beobachtet werden können und dadurch das Bewusst­sein für die Wichtig­keit der Wild­bienen anschau­lich aufgezeigt werden kann. Auch können so die gross­skaligen und wichtigen Zusammen­hänge der Fauna und Flora und insbe­sondere der Rolle der Bienen der nächsten Generation mitgegeben werden.

Feinde der Mauer­bienen

Mit etwas Glück findet man die auffäl­lig metallisch blau und rot schim­mernde Feuer­gold­wespe, die darauf wartet, unbemerkt ihre Eier in die Brut­röhre der Mauer­biene zu legen. Die Larven der Gold­wespe ernähren sich als Para­sitoide von den Larven der Mauer­bienen.

Auch sehr kleine dunkel­grau Fliegen mit auffällig roten Augen, die an Essig- oder Tau­fliegen erinnern, sind häufiger am Insekten­hotel anzu­treffen. Die Art Cacoxenus indagator, einen deutschen Namen gibt es nicht, hat es als Futter­konkur­rent auf den Pollen in den Brut­gängen der Mauer­bienen abgesehen. Bei starkem Auftreten dieser Fliegen verhungern die Mauer­bienen­larven oder entwickeln sich nur kümmerlich. Interes­sante Infor­mationen zu dieser Fliege­nart bietet die Seite natur­garten­freude.de


Gemeine Goldwespe (Chrysis ignita)
Gemeine Goldwespe (Chrysis ignita) an Nisthilfe
Cacoxenus indagator

Zu den Feinden der Mauer­bienen zählt die Gemeine Gold­wespe (Chrysis ignita), deren Larven sich von der Larven der Mauer­bienen ernähren, sowie die Art Cacoxenus indagator, die als Futter­konkur­rent gerne die Pollen in den Brut­gängen der Mauer­bienen stiehlt.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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