Mit Früh­beeten, Vliesen und Folien früher in die Anbau­saison starten


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Sobald sich im März die wärmende Frühlings­sonne zeigt, ist die Versuchung gross, die Beete zu bestellen, Gemüse­jung­pflanzen zu setzen oder mit der Aussaat von Kräutern, Salat, Kohl­rabi oder Möhren zu beginnen. Aus­schlag­gebend für die Keimung und das Wachstum von Jung­pflanzen ist die Boden­temperatur und nicht die oft schon als angenehm empfun­dene Luft­tempe­ratur.

Mit dem Pflanzen und Säen sollte daher erst begonnen werden, wenn sich die obere Boden­schicht auf ca. 10°C erwärmt hat. Aller­dings gibt es die Möglich­keit, mit einem Frühbeet oder einem Wachstums­vlies ein günstiges Klein­klima für frühe Gemüse­aussaaten oder Pflanzungen zu schaffen. So lassen sich, je nach Kultur und Methode, Ernte­verfrü­hungen von wenigen Tagen bis zu zwei Wochen erzielen.

Funktions­weise

Werden Aussaaten oder Pflan­zungen mit einer licht­durch­lässigen Abdeckung versehen, so erhöht sich bei Licht­einstrah­lung die Temperatur unter der Abdeckung gegenüber der Aussen- oder Umgebungs­temperatur. Dieses auch als Gewächs­haus­effekt bezeichnete Phänomen spürt man tat­sächlich in Gewächs­häusern oder Winter­gärten ganz deutlich. Eine ausführ­liche Erklärung dazu bietet die Seite von weltder­physik.de, auf der auch der Unter­schied zum klima­relevanten Treib­haus­effekt erläutert wird.


Junge Kohlpflanzen im Frühbeet
Beetkasten mit Tunnel-Abdeckung
Frühbeet mit Vlies abgedeckt

Früh­beete

In Gemüse- und Zier­pflanzen­gärtne­reien spielten so genannte Frühbeet- oder Mistbeet­kästen bis in die 1960er Jahre eine wichtige Rolle bei der Anzucht von Jung­pflanzen. Die Umrandung wurde anfangs aus Holz, später auch aus Beton­fertig­teilen gebaut und zur Abdeckung dienten Fenster mit Holz- oder Metall­rahmen.

Aus dieser Zeit stammen auch die Bezeich­nung Mist­beet oder Warmer Kasten. Gärtner nutzten in dieser Zeit die Ver­rottungs­wärme von Mist oder Laub zur Erwärmung dieser speziellen Anzucht­beete. Im Produk­tions­garten­bau wurden die arbeits­aufwän­digen Kästen in den vergan­genen Jahr­zehnten immer mehr durch Folien­häuser ersetzt.

Im Garten oder als Zusatz für das Hoch­beet sind Früh­beet­kästen aller­dings wieder beliebt. Der Handel bietet sie in verschie­denen Grössen an. Sie bestehen meist aus einer Grund­konstruk­tion aus Aluminium­profilen und einer Hülle aus wärme­isolie­renden Steg­doppel­platten.

Bei Sonnen­schein wird es, ähnlich wie in einem Gewächs­haus, schnell zu warm in dem Frühbeet­kasten. Dann muss muss gelüftet werden, um Hitze­schäden an den jungen Pflänzchen zu vermeiden. Mit Hilfe von automa­tischen Lüftern lässt sich diese Arbeit erleich­tern. Aller­dings sollte man bedenken, dass die Öffner­zylinder dieser Geräte bei Frost Schaden nehmen können.

Häufig hört und liest man, dass Sämlinge und Jung­pflanzen in einem Frühbeet gut vor Frösten geschützt sind. Stärkere Frost­nächte mit bis zu - 7°C sind aller­dings in der Zeit von März bis bis Mitte Mai keine Selten­heit. Auch in Fühbeet­kästen mit Steg­doppel­platte oder Noppen­folie kann es dann bei frost­empfind­lichen Kulturen zu Erfrie­rungen kommen.
Wer sich für den Bau von Früh­beeten oder die Anlange eines Mist­beetes interes­siert, findet im Internet reichlich Anregungen.

Folien­tunnel

Eine kosten­günstige Alter­native zum Frühbeet sind niedrige Folien­tunnel, die man schnell aus passenden Draht­bügeln und einer Folie aufbauen kann. Von niedrigen Folien­tunneln spricht man, wenn diese nicht begehbar sind. Sie haben, je nach Bauart eine Höhe von 50 bis 100 cm und eignen sich z.B. für den frühen Anbau von Salaten, Radies­chen oder Rucola. Das Lüften muss hier aller­dings per Hand, durch Hoch­ziehen der Folie erfolgen.

Auch eine bequeme Möglichkeit ist die Verwendung einer Frühbeet-Gartenhaube. Die Haube kann einfach auf das Beet plaziert werden und schützt die darunterliegende Kultur zuverlässig.


Lauch unter Vlies
Salat im Frühbeet
Beet abgedeckt mit Gartenvlies

Vliese und Wachs­tums­folien

Zur Ernte­verfrü­hung haben sich im Garten­bau seit über 50 Jahren verschie­dene Folien und spezielle Vliese durch­gesetzt. Für den Einsatz im Garten sind Spinn­vliese aus Polyethylen mit einem Gewicht von 17 bis 30 g/m² am besten geeignet. Die Vliese werden einfach auf die Beete gelegt und an den Beet­rändern beschwert, damit sie nicht vom Wind wegge­weht werden. Die Vliese sind wasser­durch­lässig, so dass der Regen ungehindert die Erde erreicht und es anderer­seits keine uner­wünschte Tau­bildung gibt. Für die klassische Beet­breite von 1,2 m sollten die Vliese mindestens 2,4 m breit sein, damit die Pflanzen sich darunter gut ent­wickeln können.
Der Nachteil der Vliese ist ihre relativ geringe Lebens­dauer und die z.T. starke Verschmut­zung.


Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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