Frost­spanner im Herbst be­kämpfen


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Im Oktober spielen Schäd­linge an Obst­bäumen kaum noch eine Rolle. Viele von ihnen be­reiten sich jetzt in unter­schied­licher Weise langsam auf die Winter­ruhe vor. Apfel­wickler, über den bereits in einem Pflanzen­schutz-Blog berichtet wurde, über­stehen die kalte Jahres­zeit als Larve in einem schützen­den Kokon. Andere Schäd­linge wie die Meh­lige Kohl­blatt­laus, die Rho­dodendron­zikade oder der Frost­spanner über­wintern im Ei­stadium.

Normaler­weise sind jetzt keine Pflanzen­schutz­mass­nahmen mehr erfor­derlich. Eine Ausnahme bildet der Kleine Frost­spanner, dessen grüne Larven im April und Mai vor allem an Blättern und jungen Früchten von Obst­bäumen fressen. Bei diesem Schädling lässt sich nämlich die Eiablage durch die Weib­chen mit Hilfe von Leim­ringen verhin­dern bzw. deutlich ein­schränken.

Der Zyklus des Frost­spanners

Den Sommer ver­bringen die Frost­spanner­larven geschützt im Boden, wo sie sich in einem Kokon verpuppen. Sobald die ersten Nacht­fröste auftreten, schlüpfen die Falter und verlassen den Kokon im Boden.

Die kleinen, hellen männ­lichen Falter sind mit beginnen­der Dämmerung unter­wegs auf der Suche nach einem Weib­chen. In der Regel sieht man die Klein­schmetter­linge bis in den Dezember hinein bei ihrem Flug im Licht von Strassen­laternen oder im Licht­kegel der Auto­schein­werfer.

Die weib­lichen Frost­panner können nicht fliegen, da sie nur über Stummel­flügel verfügen. Sobald sie sich aus ihrem schützenden Kokon durch die Erde heraus­gearbei­tet haben, beginnen sie an Bäumen und Sträucher empor zu krabbeln. Auf dem Weg zu den Trieb­spitzen werden sie von den Männchen ange­flogen und begattet. Anschlies­send findet die Ei­ablage an den Trieben statt.

Die Eier sind unempfind­lich gegen Frost­tempe­raturen. Sobald im Früh­jahr die Knospen der Gehölze auf­brechen, schlüpfen auch die Räupchen aus den Eiern. Zu diesem Zeit­punkt sind die winzigen Larven grau gefärbt. Sie beginnen sofort an den sich gerade ent­falten­den Blättern und Blüten­knospen zu fressen. Der Haupt­schaden entsteht meist im Mai, wenn die gefrässigen Altlarven, die jetzt auf­fällig grün gefärbt sind, nach mehreren Häutungen eine Länge von ca. 3 cm erreicht haben. In diesem Stadium werden gern auch junge Früchte von Kirschen, Äpfeln oder Birnen angefressen.


Raupe des kleinen Frostspanners
Schmetterling des kleinen Frostspanners
Leimringe gegen Frostspanner

Zur Verhinderung des Befalls durch den Frost­spanner an Obstbäumen bringt man am besten die mit Insekten­leim präpa­rierten Papier­streifen nach Gebrauchs­anleitung am Stamm und auch am Baum­pfahl an.


In starken Befalls­jahren können die Frost­spanner­larven erheb­liche Schäden anrichten. Neben dem Kleinen Frost­spanner tritt an Gehölzen gelegent­lich auch der Grosse Frost­spanner auf. Seine Larven sind braun gefärbt. Ansonsten ist der Lebens­zyklus dieses Klein­schmetter­lings ganz ähnlich, wie der seines Verwandten.

Mit Leim­ringen die Ei­ablage unter­binden

Wenn die flug­unfähi­gen Weibchen die Stämme der Obst­bäume empor krabbeln, lassen sie sich mit Leim­ringen fangen. So kann die Ei­ablage wirkungs­voll unter­bunden werden. Am besten bringt man die mit Insekten­leim präpa­rierten Papier­streifen nach Gebrauchs­anleitung am Stamm und auch am Baum­pfahl an. Wichtig ist ein fester Sitz. Im Handel gibt es fertige Leim­ringe. Am besten legt man sie ab Mitte Oktober an und kontrol­liert sie im Laufe der nächsten Wochen regel­mässig. Beschädigte oder stark verschmutz­te Leim­ringe sind ggf. zu erneuern. Man kann Insekten­leim auch direkt auf den Stamm auftragen, aller­dings lässt sich der Leim dann nicht ent­fernen und ver­klebt die Stämme.

Ab Januar ist normaler­weise nicht mehr mit dem Auf­treten der Tiere zu rechen. Die Leim­ringe können zu diesem Zeit­punkt, spätestens jedoch Anfang März, abge­nommen und in der Müll­tonne entsorgt werden.

An­wendung von Leim­ringen besser nur im Winter­halb­jahr

Oft wird auch empfohlen, Leim­ringe auch im Sommer­halb­jahr anzulegen. Sie sollen vor Ameisen und anderen Insekten schützen, die den Stamm empor krabbeln. Vor den wichtigen Schäd­lingen wie Apfel­wicklern, Blatt­läusen, Spinn­milben oder Gespinst­motten bieten Leim­barrieren aller­dings keinen Schutz. Auf ihnen bleiben im Sommer­halb­jahr jedoch viele Nützlinge, wie Marien­käfer, Spinnen oder Raub­wanzen kleben. Aus diesem Grund ist die Anwendung im Früh­jahr und Sommer nicht zu empfehlen.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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