Futterpflanzen für Schildkröten: Gourmetsalate aus eigenem Anbau
Schildkröten gehören zu den ältesten Reptilien der Welt und stellen als Haustiere besondere Ansprüche an Ernährung und Lebensraum. Eine artgerechte Versorgung mit frischen Wildkräutern wie Löwenzahn, Giersch, Malve und Wegwarte bildet die Grundlage für ein langes, gesundes Reptilienleben. Der eigene Anbau geeigneter Futterpflanzen aus Bio-Saatgut ist nachhaltig, kostengünstig und liefert ganzjährig hochwertige Nahrung.
Schildkröten zählen nicht nur zu den beliebtesten Haustieren in Europa, sondern auch zu den ältesten Reptilien der Welt. Die tagaktiven Tiere können einer Lebenserwartung von stolzen 100 Jahren und mehr entgegenblicken und werden vor allem für die stoische Ruhe geschätzt, die sie verströmen. Sie sind pflegeleicht, aber was ihr Futter betrifft, durchaus anspruchsvolle Gourmets mit vitamin- und nährstoffreichen Vorlieben.
Pflegeleichte Mitbewohner mit rekordverdächtigem Stammbaum
Ganz genau herausfinden werden es Paläontologie und Paläozoologie vielleicht nie, aber aktuell geht die Forschung davon aus, dass es Schildkröten bereits seit unglaublichen 250 Millionen Jahren auf dieser Erde gibt. Gegenwärtig kennt man weltweit mehr als 300 Arten und 200 Unterarten. In Europa leben sie in freier Wildbahn vorwiegend im Mittelmeerraum. Dort bevorzugen sie karge, trockene Landschaften und kommen ohne Extrafutter bestens zurecht. Als Haustiere sind sie genügsam und relativ anspruchslos, wenn auch mit einem feinen Gaumen und ein paar Mindestansprüchen an Lebensraum und Lebensqualität. Wer sie ausschliesslich in einem Terrarium hält, hält sie maximal am Leben. Artgerecht aber geht definitiv anders.
Schildkröten sind Weidetiere, die in freier Wildbahn pro Tag tatsächlich mehrere hundert Meter zurücklegen können. Es ist daher sinnvoll und ratsam, ihnen diese Illusion von Freiheit auch in einem Aussengehege zu ermöglichen. Dieses sollte möglichst Richtung Süden – der Sonne entgegen – ausgerichtet sein und eine Mindestgrösse von 10 Quadratmetern pro erwachsenem Tier aufweisen. Sie sind Einzelgänger, kommen aber nach einer Eingewöhnungsphase auch mit Artgenossen zurecht. Da sie begabte Ausbruchskünstler, Erdbewegungsexperten und Tiefbauprofis sind, sollte die Umrandung ihres Geheges fest im Boden verankert sein, sonst führt überraschend schnell der eine oder andere Tunnel Richtung Freiheit. Eine Strukturierung des Geheges mit Steinen, Ästen, Wurzelstöcken und anderen natürlichen Extras macht den Abenteuerspielplatz perfekt. Als Schlafhaus kann ein Frühbeet dienen. Unter Umständen sollte das Freigehege auch vor Feinden aus der Luft und Fressfeinden, die nachts jagen, gesichert werden.
Die Schildkröte lebt mit dem Jahreskreislauf und passt sich gewissermassen dem Stand der Sonne an. Ihre Winterstarre beginnt im Oktober oder November und hält bis März/April an. Dann sind Unterkünfte bei maximal 4 bis 6 Grad ideal. Wer keinen Keller für die Überwinterung zur Verfügung hat, kann sein robustes, gepanzertes Haustier tatsächlich auch im Kühlschrank gut durch den Winter bringen.
Schildkröte in einer Wiese
Löwenzahn steht auf dem Speiseplan
Schildkröte beim Frass von Löwenzahnblüte
Was Schildkröten zum Fressen gern haben
Pro Tag vertilgen die Tiere eine Menge an frischen Wildkräutern, die in etwa zweimal der Grösse ihres Kopfes entspricht. Zu den beliebtesten Salatvariationen am Speiseplan zählt der Löwenzahn. Weitere Lieblingspflanzen wären Giersch, wilde Malven, Brennnesseln, Vogelmiere und verschiedene andere Wildblumen und Kräuter. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, setzt auf Spezialsamenmischungen extra für Schildkröten und baut diese im eigenen Garten an.
Wer seinem gepanzerten Haustier eine besondere Freude machen möchte, verteilt zusätzlich auch Heu im Gehege und punktet zwischendurch mit geraspelten Karotten. Von der Fütterung von Tomaten, Gurken und Obst ist abzuraten. Sie können von den Landschildkröten nur bedingt verdaut werden, was zu Übergärung und in weiterer Folge zu Krankheiten führen kann. Eine Überfütterung ist kaum möglich, eine Mangelernährung hingegen schon. Ein wenig tierisches Protein darf sein, welches sie sich jedoch bei ausreichend Freigang im Vorübergehen von Regenwürmern und Insekten holen. Sogar an toten Vögeln knabbern Schildkröten mitunter ganz gern.
Was die Zugabe von Nährstoffen für den Erhalt des Panzers betrifft, scheiden sich die Geister ein wenig. Solange der Panzer glatt und hart ist und keine Schuppen oder Höcker ausformt, ist alles bestens. Vorbeugend kann kalziumhaltiges Sepiapulver zum Futter hinzugefügt werden. Ausserdem lieben und brauchen Schildkröten die Sonne, um sich wohlzufühlen. Ausreichend Bewegungsmöglichkeiten im Freien sind daher essenziell für ein glückliches und gesundes Reptilienleben. Sinken die Temperaturen unter 10 Grad, stellen sie die Verdauung ein, was meistens auch den Beginn der Winterstarre einläutet.
Neben Löwenzahn stehen auch die Wegwarte, Giersch sowie die Wilde Malve auf dem Speiseplan der Schildkröte.
Futterpflanzen selber anbauen: Biologisch, nachhaltig und günstig
Der Löwenzahn ist in den meisten Gärten ohnehin ein Zaungast, der sich selbst hereingebeten hat. Wer ihn anbauen möchte, braucht dafür lediglich Saatgut, ein hochbegabter grüner Daumen ist nicht erforderlich. Ein optischer Augenschmaus ist die wilde Malve, die bei diesen Tieren ebenfalls ganz oben auf der Hitliste der liebsten Futterpflanzen steht. Giersch ist nicht nur ein dekorativer Hingucker, sondern auch eine jahrhundertealte Heilpflanze. Die gepanzerten Reptilien lieben ihn, und er lässt sich im eigenen Garten hervorragend kultivieren. Er bevorzugt schattige bis halbschattige, feuchte und nährstoffreiche Böden und gedeiht in der Nähe von Hecken und Sträuchern besonders gut.
Ein Eyecatcher für Gärtner und ein Leckerbissen der Extraklasse aus tierischer Sicht ist die blau-violette Wegwarte. Die mehrjährigen, robusten Pflanzen können bis zu 150 Zentimeter hoch werden und gedeihen an sonnigen Standorten besonders gut. Wer Futterpflanzen für seine tierischen Mitbewohner selber anbauen möchte, sollte unbedingt auf Qualitätssaatgut setzen. Die Schildkröte bedankt sich für allerbeste Pflege mit vielen (vielen!) gemeinsamen Jahren, die sie bei bester Gesundheit Seite an Seite mit ihren Menschen verbringt.
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