Schad­er­reger im Obst- und Gemüse­lager


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Äpfel, Quitten und Birnen sowie auch einige Gemüse­arten lassen sich in kühlen Kellern oder in Garten­häusern und Schuppen, je nach Art und Sorte, über einen längeren Zeit­raum von mehreren Wochen lagern. Geeignet sind vor Frost geschützte und nicht zu trockene Räume.

Grund­sätzlich sollte Obst nicht zusammen mit Gemüse und Kartoffeln aufbe­wahrt werden. Der Grund dafür ist, dass Äpfel und Birnen während der Lage­rung das Gas Ethylen aus­scheiden, welches als so genanntes Reifungs­hormon Gemüse schneller welken lässt.

Obst optimal ein­lagern

Bei Äpfeln und Birnen sind Spät­sorten, die ab Mitte Oktober bis in den November hinein geerntet werden, für die Lagerung geeignet. Typische Apfel­sorten sind z.B. Glocken­apfel, Topaz oder Boskoop. Ausführ­liche Infor­mationen zu so genannten alten Sorten bieten z.B. die Kern­obst­daten­bank des Kompetenz­zentrums Obst­bau Boden­see oder der Sorten­finder von ProSpeciaeRara. Über neuere Apfel­züchtungen informiert u.a. die Bayerische Garten­akade­mie.
Grund­sätz­lich sollten nur Früchte einge­lagert werden, die keine Beschä­digungen und keine Spuren von Befall aufweisen. Früchte mit Bohr­löchern des Apfel­wickler oder solche mit Schorf­flecken sind nicht geeignet.

Am besten verwendet man flache Kisten oder Steigen, in die jeweils nur eine Schicht Früchte gelegt wird. So kann man bei den regel­mässigen Kontrollen schnell über­blicken, wo Fäulen durch Monilia oder andere Schad­pilze entstanden sind. Betroffene Früchte sind sofort zu entfernen, um die Ansteckung gesunder Früchte zu verhindern. Lager­fäulen am Apfel werden durch eine Vielzahl von Pilzen (Monilia fruc­tigena, Gloesporium album, Gloeo­sporium perennans, Gloeo­sporium fructi­genum, Alternaria sp., Botrytis cinerea, Mucor piri­formis, Peni­cillium sp.) verursacht. Die Mehr­heit dieser Krank­heits­erreger dringt über Verletzungen der Frucht­schale in den Apfel ein. Über die Biologie der Schad­erreger informiert die Seite des Kompe­tenz­zentrums Obstbau-Boden­see.


Äpfel lagern
Gemüse lagern
Birnen lagern

Neben den Krank­heits­erregern können auch Mäuse Schäden im Obstlager verur­sachen. Ein deutlicher Hinweis auf Mäuse sind die typischen Frass­spuren und die Verschmutzung der Früchte durch Kot. Lager­räume sollten daher gut verschlossen sein.

Im Laufe der Lagerung können auch Stippe­symptome auftreten, die zum Zeitpunkt der Ernte noch nicht zu erkennen waren. Bei dieser physio­logischen Störung entstehen im Frucht­fleisch braune Flecke. Innerhalb weniger Wochen kann der Schaden so stark zunehmen, dass die Früchte nicht mehr verwert­bar sind. Wird beginnende Stippe gefunden, können die Früchte i.d.R. noch problemlos verwertet werden. Bei stärkeren Symptomen sind die Früchte nicht mehr verwendbar.

Gemüse optimal ein­lagern

Typische Gemüsearten für eine lang­fristige Lagerung sind Möhre, Sellerie, Pasti­naken, Wurzel­peter­silie, Randen, Steck­rüben und Winter­rettiche. Die Rüben lassen sich gut in grossen Eimern oder Wannen in Sand ein­schichten und sind so bei kühler Lagerung bis Ende des Winters haltbar. Um Fäulen vorzu­beugen, sollte der Sand nur leicht feucht gehalten werden. Zu nasse Lagerungs­bedingungen können Infektionen mit Pilzen und Bakterien fördern.
Auch hier gilt, dass nur ein­wand­freie Ware ohne Beschä­digung und Befall verwendet wird. Möhren und Pasti­nake sollten daher gut auf even­tuellen Befall mit der Möhren­fliege oder Fäulen des Rüben­körpers unter­sucht werden. An Steck­rüben und Winter­rettichen ist auf Befall mit der Kohl­fliege zu achten. Zum Schutz vor Mäusen können die Gefässe mit engem Maschen­draht abgedeckt werden.

Lager­sorten von Weiss- und Rotkohl, z.B. 'Rapid' oder 'Marner Lager­rot' halten sich an einen kühlen und frost­freien Ort für einige Wochen. Auch hier ist regel­mässig auf Befall mit Fäule­er­regern zu kontrol­lieren.

Wer nicht über geeignete Lager­räume in einem Garten­haus oder einen kühlen Keller verfügt, kann Wurzel­gemüse auch direkt im Garten in einer Erd­miete lagern. Hinweise zu dieser Lager­möglich­keit bietet u.a. die Garten­akademie Rheinland Pfalz.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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