Bio­logi­sche Schäd­lings­bekäm­pfung in Wohn- und Büro­räumen


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Zimmer­pflanzen können von verschie­denen Schäd­lingen befallen werden. Am häufig­sten treten Schmier- oder Woll­läuse, Schild­läuse und Drazänen­thripse auf, da alle drei Schäd­linge sich im trockenem Klima von Wohn­räumen besonders wohl fühlen. Deutlich seltener sind Blatt­läuse zu finden. Sie bevor­zugen feuchtere Luft und bereiten daher eher in Winter­gärten Probleme, wenn sie sich im Spät­winter an jungen Trieben massen­haft vermehren.

Schild­laus­arten, zu denen genau genommen auch die Schmier- und Woll­läuse gehören, schädigen vor allem, indem sie klebrigen Honig­tau ausscheiden, auf dem sich schnell dunkel­graue Russtau­pilze ansiedeln, die sich auch durch Abduschen mit lauwarmem Wasser nicht richtig ent­fernen lassen. An deko­rativen Grün­pflanzen, Kakteen, Orchideen und an Zirtrus­arten fühlen sich diese Schäd­linge wohl und können sich bei Zimmer­tempe­ratur gut vermehren. Hat man sich diese Schädlinge erst einmal in die Wohnung einge­schleppt – meist geschieht das mit neuen Pflanzen – wird man sie so schnell nicht wieder los. Die winzigen Larven, die mit blossem Auge kaum zu erkennen sind, können recht gut laufen und sich so über Fenster­bank, Wände oder Möbel in der ganzen Wohnung ver­teilen.

Thripse, auch Fransen­flügler genannt, kann man sich eben­falls mit neuen Pflanzen ein­schleppen. Die erwachsenen Insekten können fliegen und sich so schnell in der Wohnung ver­breiten. Beliebte Wirts­pflanzen sind Gummi­bäume, Scheff­lera oder Berg­palmen.


Möglich­keiten zur Schäd­lings­bekäm­pfung an Zimmer­pflanzen

Grund­sätzlich gibt es zwei Möglich­keiten Schäd­linge an Zimmer­pflanzen zu bekämpfen. Man kann zuge­lassene Pflanzen­schutz­mittel ein­setzen oder die natürlichen Feinde, so genannte Nützlinge, gegen tierische Schader­reger einsetzen.

Auch wenn es viel­leicht irri­tiert, im Bio­anbau ist der Einsatz bestimmter Pflanzen­schutz­mittel zulässig, sofern diese offi­ziell für den Bio­anbau ausge­wiesen sind. Typische Vertreter sind Präpa­rate mit den Wirk­stoffen Rapsöl und Aza­dirachtin (Neem) als Insekti­zide oder Schwefel und Kalium-Bicar­bonat als Fungi­zide. Zur Bekäm­pfung von Schild­laus­arten, zu denen auch die Schmier- und Woll­läuse zählen, sind z.B. Präparate auf Rapsöl­basis zuge­lassen. Über den aktuellen Zulassungs­stand kann man sich im Pflanzen­schutz­mittel­verzeich­nis des Bundes­amtes für Land­wirt­schaft infor­mieren. Hier lässt sich in der Rubrik Schad­erreger nach­schauen, welche Präparate z.B. gegen Schild­läuse oder Thripse einsetzbar sind.
Als Alter­native zu Spritzungen bzw. der Verwen­dungen von anwen­dungs­fertigen Sprays, bietet sich der Einsatz von Nütz­lingen an.

Nütz­linge zur Bekäm­pfung von Schmier- und Woll­läusen

Als natür­licher Feind dieser Schäd­linge dienen vor allem Käfer und Larven des Austra­lischen Marien­käfers (Crypto­laemus montrou­zieri). Will man es zu Hause mit diesen Nütz­lingen versuchen, so sollte man darauf achten, dass die Lebens­ansprüche dieser Käferart berück­sichtigt werden. Ausführ­liche Hinweise zum Austra­lischen Marien­käfer bietet z.B. die Seite oeko­landbau.de in der Rubrik Nützlinge/­Marien­käfer.

Als weiteren Nützling lassen sich die Larven der hei­mischen Flor­fliegen einsetzen. Flor­fliegen­larven sind auch bei niedrigeren Tempe­ratu­ren aktiv. Die Tiere sind nicht sehr wähle­risch bei der Auswahl ihrer Beute­tiere. Sie fressen z.B. auch Blatt­läuse, Thripse, Spinn­milben und machen sogar vor den eigenen Art­genossen nicht halt.

Nütz­linge zur Bekäm­pfung von Thripsen

An Zimmer­pflanzen schädigt vor allem der Drazänen­thrips durch das Besaugen der Blätter. Ähnlich wie Schmier­läuse und Schild­läuse vermehrt sich dieser Schäd­ling bei trockener Raum­luft sehr gut.
Im biologischen Pflanzen­schutz stehen als natürliche Gegen­spieler die Raub­milbe Ambly­seius cucu­meris und Flor­fliegen­larven zur Verfügung.

Fazit

Am besten kombiniert man im bio­logi­schen Pflanzen­schutz Nütz­linge mit einem sinn­vollen Einsatz von Pflanzen­schutz­mitteln, die im Bio­anbau zulässig sind. Eine Über­sicht zum Angebot erlaubter Präpa­rate bietet die Rubrik Pflanzen­schutz­mittel in der FiBL Betriebs­mittel­liste 2021 für den Bio­logi­schen Land­bau in der Schweiz.

Übrigens: Alle im Shop von Saemereien.ch angebotenen Pflanzen­schutz­mittel sind für den bio­logi­schen Land­bau zuge­lassen!

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


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