Schutz der Gemüse­jung­pflanzen vor Schäd­lingen mit Netzen & Vlies


C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Für Rüebli, Radieschen, Zwiebeln, Randen, Kraut­stiel, diverse Salat- und Kohl­arten und manch andere Gemüse und Kräuter ist im April die Zeit für erste Aus­saaten und das Setzen von Jung­pflanzen gekommen. Die jungen Setz­linge und die frisch auflau­fenden Sämlinge dieser Gemüse­arten vertragen Kälte und gelegen­tlichen Nacht­frost recht gut. Aller­dings wachsen sie bei höheren Luft- und Bodentemperaturen schneller.

Daher wirkt sich die Abdeckung der Saat- und Pflanz­beete mit einem licht- und wasser­durch­lässigen Wachstums­vlies positiv auf das Wachs­tum aus. Durch die Vlies­abdeckung verkürzt sich im Früh­jahr die Ent­wicklungs­zeit bis zur Ernte um einige Tage. Infor­mationen zum Thema «Ernte­ver­frühung im Gemüse­garten mit Vlies und Folie» bietet das Dienst­leistungs­zentrum Länd­licher Raum Rhein­pfalz (DLZ).

Ausser­dem hält das Vlies eine Reihe von Schäd­lingen von den Pflanzen fern. So schützen Vliese Kohl und Radies vor der Kohl­fliege, und redu­zieren den Befall mit den lästigen Kohl­erd­flöhen. Bei Lauch und Zwiebeln wird die erste Generation der Lauch­minier­fliege und bei Möhren die Möhren­fliege abge­halten.

Die richtigen Vliese als zum Schutz der Jung­fplanzen

Leider sind die leichten Spinn­vliese aus Poly­propy­len (PP) nicht sehr stabil und halten selten länger als zwei Jahre. Im Früh- und Hoch­sommer kann es unter der Vlies­abdeckung schnell zu warm werden. Für die Zeiträume März bis Mai und Oktober bis Dezember bieten sie vielen Pflanzen einen Kälte­schutz und fördern somit das Wachstum.

Zur Abwehr von Schäd­lingen sind eng­maschige Kultur­schutz­netze aus dünnen Poly­ethylen­fäden deutlich besser geeignet. Unter ihnen entsteht auch im Hoch­sommer dank der grossen Lüftungs­fläche kein Hitze­stau. Sie können problem­los viele Jahre einge­setzt werden ohne zu ver­spröden oder zu reissen. Ausser­dem bieten die Netze einen guten Schutz vor Schäden durch Hagel­schlag.

Die Wirk­sam­keit von Kultur­schutz­netzen nach Kultur

Nach­folgend ist die Wirk­sam­keit von Kultur­schutz­netzen mit einer Maschen­weite von 0.85 mm gegen einzelne Schäd­linge und Witterungs­einflüsse an verschie­denen Kulturen auf­gelistet:

Kultur Schädlinge
Radieschen, Rettich Kohl- Rettich­fliege, Vögel z.B. Tauben
Rüebli Möhren­fliege, Schmetter­lings­larven
Pastinake Möhren­fliege, Schmetter­lings­larven
Sellerie Möhren­fliege, Schmetter­lings­larven
Wurzel­peter­silie Möhren­fliege, Schmetter­lings­larven
Kohl­arten Kohl- Rettich­fliege, Schmetter­lings­larven z.B. Kohl­weiss­linge, Kohl­eule, Kohl­motte
Zwiebel Zwiebel­fliege
Lauch Lauch­motte
Busch- und Stangen­bohnen Bohnen­fliege
Spinat Rüben­fliege
Kraut­stiel (Mangold) Rüben­fliege
Randen (Rote, Gelbe und Weisse Bete) Rüben­fliege
Alle Kulturen Vögel (vor allem Tauben und Sperlinge), Kaninchen, Schlag­regen und Hagel

Junge Karotten-Pflanzen

Kohl geschützt mit Vlies

Sellerie

Die Verwendung eines Kultur­schutz­netzes ist bei vielen Gemüse­jung­pflanzen wie Karotten, diversen Kohlarten oder Selleriesehr sinnvoll und eine wirksame Massnahme zum Schutz vor Schädlingen und unerwünschten Wettereinflüssen wie Hagel.

Kultur­schutz­netze richtig einsetzen

Oft werden Kultur­schutz­netze auch zur Abwehr der Lauch­minier­fliege an Lauch, Schnitt­lauch und Zwiebel empfohlen. Nach mehr­jährigen Erfahrungen des Autors bieten die handels­üblichen Netze gegen diesen sehr kleinen Schädling keinen aus­reichenden Schutz. Auch Kohl­erd­flöhe, Kohl­motten­schild­läuse (Weisse Fliege), Thripse und Blatt­läuse werden von den Netzen nicht abgehalten.

Anders sieht es bei der Abdeckung mit den bereits erwähnten Vliesen aus, die die genannten Schädlinge bei guter Abdeckung von den Pflanzen fernhalten können. Für den Einsatz im Sommer sind sie aller­dings nicht geeignet, da die Tages­tempera­turen unter dem Netz bei Sonnen­ein­strahlung zu stark ansteigen.

In Haus­gärten können frei­laufende Katzen lästig werden, wenn sie in frisch eingesäten Beeten ihren Kot ver­scharren. Auch hier bietet die Netz­abdeckung einen guten Schutz.

Für den Gemüse­garten oder das Hoch­beet sind Kultur­schutz­netze eine besonders empfehlens­werte Möglich­keit des effek­tiven und umwelt­freund­lichen Pflanzen­schutzes. Für Gemüse­beete mit einer Standard­breite von 1.20 m eignen sich Netze mit einer Breite von 2.2 m. Zum Ein­netzen von Büschen oder der Abdeckung breiterer Beete gibt es auch grössere Netze mit dem Mass 5 x 3.7 m.

Der Saemereien.ch-Pflanzen­schutz­experte

Christoph Hoyer ist gelernter Gemüse­gärtner und hat nach dem Studium der Garten­bau­wissen­schaften an der Uni­versität Hannover, einige Jahre als Fach­schul­lehrer und wissen­schaft­licher Versuchs­leiter im Gemüse­bau gearbeitet. Danach war er fast dreissig Jahre als Dezernent beim hessischen Pflanzen­schutz­dienst für den Nützlings­einsatz im bio­logischen Pflanzen­schutz, Erwachsenen­fort­bildung für Gärtner aller Fach­richtungen, sowie den Aufbau einer Online-Informations­platt­form rund um den Pflanzen­schutz im Garten und im öffentlichen Grün tätig. Heute ist Christoph Hoyer für Saemereien.ch als Experte rund um Fragen zu bio­logischem Pflanzen­schutz, der B­ekämpfung von Schäd­lingen und dem Einsatz von Nütz­lingen tätig.

C. Hoyer, Saemereien.ch-Schädlingsexperte

Christoph Hoyer


Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.
Nach oben