Gründüngung Saatgut

Gründüngung Saatgut

Unter einer Grün­düngung versteht man den geziel­ten Anbau von Pflanzen, die i.d.R. nach oder zwischen zwei Kultu­ren angebaut werden, um so den Humus- und Nähr­stoff­gehalt des Bodens zu ver­bessern. Ursprüng­lich stammt dieser Anbau von so genannten Zwischen­früchten aus dem klas­sischen Acker­bau. So können z.B. nach der Ernte von Gerste oder Früh­kartof­feln im Juli oder Anfang August noch schnell wachsende Pflanzen wie Phacelia oder Acker­senf ausgesät werden, bevor der Acker ab Oktober mit Roggen oder Weizen bestellt wird.

Weiterlesen
Sie haben 38 von 38 angesehen


Bota­nik der Grün­dün­gungen

Auch nach der Ernte so genannter Haupt­kulturen, wie Weizen, Kartof­fel oder Raps, wird der Herbst für eine Nach- oder Zwischen­kultur genutzt. So bleibt der Boden bewachsen und wird vor Erosion geschützt. Im Früh­jahr kann man dann die organische Substanz zur Humus­bildung einar­beiten.

Grün­düngungs­pflanzen aus der Familie der Schmetter­lings­blütler, wie Klee, Lupine oder Luzerne sind in der Lage, mit Hilfe der Knöllchen­bakterien Luft­stick­stoff zu binden. Die Bakterien, die in den Wurzel­knöllchen der Schmetter­lings­blütler leben, wandeln elemen­taren Luft­stick­stoff in pflanzen­verfügbare Stick­stoff­verbin­dungen um, die für das Pflanzen­wachstum erforder­lich sind.

Ein weitere Vorteil von so genannten Grün­dünguns­pflanzen ist die Unter­drückung des Unkraut­wuchses. Tief­wurzelnde Pflanzen, wie Luzerne, Lupine, Sonnen­blume oder Ölret­tich, sind auch in der Lage, verdich­tete Böden zu lockern.

Nutzung von Grün­düngungs­pflanzen im Garten

Im Garten bietet sich der Anbau von Grün­düngungs­pflanzen an, wenn die Flächen abgeerntet sind oder noch nicht für Pflanzungen oder Aus­saaten benötigt werden. So kann man z.B. abgeern­tete Gemüse­beete im Spät­sommer noch gut mit Phacelia, Buch­weizen, Sand­hafer oder Sonnen­blumen einsäen. Diese schnell­wüchsigen Pflanzen bilden bis zum Beginn der ersten Fröste eine gute Pflanzen­decke. Im Früh­jahr können die abgestor­benen Pflanzen dann gut in den Boden eingear­beitet werden.

Aus Frucht­folge­gründen sind Grün­düngungs­pflanzen aus den Familien der Kreuz­blütler oder Kohl­gewächse und der Schmetter­lings­blütler für den Einsatz im Gemüse­garten nur bedingt geeignet. Nach oder vor Bohnen und Erbsen sollte daher auf Lupine, Klee, Wicke oder Luzerne verzich­tet werden. Grund hierfür ist die Tatsache, dass sich vor allem boden­bürtige Krank­heits­erreger und wachs­tums­hemmende Subs­tanzen im Boden anreichern können. Genau so sieht es bei den Kohlgewäch­sen aus, zu denen alle Kohl­arten, Rettich und Radies sowie Räbe und Mairübe gehören.
Für den Gemüse­garten sind daher Grün­düngungs­pflanzen aus anderen Pflanzen­familien besser geeignet.

Empfeh­lens­werte Grün­düngungs­pflanzen für die Aussaat im Sommer

Für die Aussaat z.B. nach frühen Gemüse­kulturenen oder Früh­kartoffeln eignen sich folgende ein­jährige Arten:

Diese Arten sterben nach den ersten Frösten ab. Man lässt die Pflanzen den Winter über auf dem Boden liegen, so dass sie schon beginnen, sich leicht zu zersetzen. Im Früh­jahr können sie dann eingear­beitet werden. Dicke Stängel, beispiels­weise von Sonnen­blumen häckselt man am besten mit Hilfe eines Schredders und gibt sie auf den Kompost.

Empfehlens­werte Grün­düngungs­pflanzen für die Über­winte­rung

Für eine Winter­begrünung der Gemüse­beete eignen sich vor allem die Winter­getreide­arten Weizen, Dinkel und Roggen. Da die Pflanzen über den Winter nicht absterben, müssen sie im Früh­jahr vor der Bestellung der Gemüse­beete entweder gut aus- oder unter­gegraben werden. Wer Klein­tiere, wie Kaninchen oder Hühner hält, kann das Getreide­grün im Frühling gut als Futter nutzen. Auch viele andere Grün­düngungs­pflanzen lassen sich verfüt­tern.

Grün­düngungs­pflanzen aus der Familie der Kohl­gewächse (Kreuz­blütler) und der Schmetter­lings­blütler

Sollen Flächen begrünt werden, die nicht dem Gemüse­anbau dienen, ist die Auswahl an Grün­düngungs­pflanzen grösser. Vor allem die Ver­treter aus der Familie der Schmetter­lings­blütler und der Kreuz­blütler können hier gut zum Einsatz kommen.


Wer die verschie­denen Klee­arten, Lupine, Luzerne, Espar­sette oder Wicken aussäen möchte, sollte aller­dings bedenken, dass diese Pflanzen in der Regel mehr­jährig sind, also den Winter über­dauern. Wenn im Früh­jahr die Beete zur Pflanzung oder Aussaat bestellt werden sollen, ist das Ein­arbeiten der Grün­düngung in den Boden oft recht arbeits­aufwendig und es kann passieren, dass Weiss-, Rot-, und Gelb­klee oder Wicken auch nach dem Unter­graben wieder aus­treiben bzw. durch­wachsen.
Ein­jährige Grün­düngungs­pflanzen aus der Familie der Schmetter­lings­blütler, die im Winter abster­ben sind Sommer­wicke, Perser­klee und Sera­della.


Aus der Familie der Kreuz­blütler eignet sich Gelb­senf, da er im Laufe des Winters ab­stirbt und sich im Früh­jahr recht gut einar­beiten lässt. Soll der Boden im Winter bedeckt sein, kann man Raps einsäen.

Saat­gut­mischungen

Neben den beschrie­benen Arten, werden auch Mischungen verschiedener Pflanzen als Grün­dünger ange­boten. Eine klas­sische Mischung für die Winter­begrünung, die es schon viele Jahr­zehnte gibt, ist Wick­roggen; eine Mischung aus Winter­roggen und Winter- oder Zottel­wicke.


Für den Anbau im Sommer­halb­jahr eignen sich Mischungen, die oftmals auch einen hohen Anteil an Blüh­pflanzen haben, die für Bienen und andere Blüten­besucher interes­sant sind. So enthält die Mischung 'Bienen­weide Meli­fera' Phacelia, Buch­weizen, Ringel­blume, Borretsch, Dill und Korn­blumen. In der Mischung 'Astera' sind neben Sommer­lein, Phacelia und Sand­hafer auch die Stick­stoff­sammler Sommer­wicke, Alexan­driner­klee und Perser­klee vertreten. Eine Samen­mischung, die keine Schmettler­lings­blütler enthält ist 'Faba'. Sie besteht aus Sand­hafer, Phacelia, Sommer­lein, Sonnen­blumen und Lein­dotter.

Empfeh­lung

Für alle Gärtne­rinnen und Gärtner, die noch keine Erfahrung mit Grün­düngungs­pflanzen im Gemüse­garten haben, ist Phacelia eine gute Möglich­keit. Die Pflanzen entwickeln sich schnell, bieten eine gute Boden­deckung und damit eine eben­falls gute Unkraut­unter­drückung. Ausser­dem sehen die blau blühenden Pflanzen nicht nur gut aus, sondern bieten Bienen, Hummeln, Schweb­fliegen und noch vielen anderen Insekten Nahrung. Samen die sich im Sommer und Herbst bilden, können den Winter über­dauern und keimen im nächsten Früh­jahr aus. Die Keim­linge lassen sich aber durch eine leichte Boden­bear­beitung gut am Wachsen hindern, so dass nur mit geringem Durch­wuchs in den Gemüse­beeten zu rechnen ist.

Will man bisher unge­nutzte Flächen, die erst im Folge­jahr z.B. für eine Stauden- oder Gehölz­pflanzung vorge­sehen sind, den Sommer und Herbst über begrünen, kann man mit den genannten Mischungen arbeiten. Sie bieten einen längere und meist auch ansprechend blühenden Bestand.

Für Aussaa­ten ab Juli eignen sich neben der bereits erwähnten Phacelia auch Gelb­senf, Öl­rettich und Buch­weizen. Anders als bei Phacelia und Blumen­mischungen mit Kornb­lume, Ringel­blume oder Borretsch (z.B. 'Tübinger Blumen­weide'), kommt es hier in der Regel auf Grund der kurzen Kultur­zeit nicht zu stärkerer Samen­bildung, die im nächsten Früh­jahr durch Durch­wuchs Probleme bereiten kann.

Nach oben