Kaltkeimer - Ausrieb erster Keimlinge im Frühjahr

Kalt­keimer und Frost­keimer – Infos, Anzucht und typische Sorten 

Die sogenannten Kaltkeimer-Samen überdauern die kalte Winter­zeit im Boden und keimen im Frühjahr. Bei diesem Ablauf handelt es sich nicht um einen Zufall, sondern um einen geschick­ten Trick der Natur. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über Kalt- und Frost­keimer, die Anzucht von Kaltkeimer­samen sowie typischen Kaltkeimer-Arten.

Um die Winterkälte zu überstehen, bedienen sich heimische Pflanzen verschiedener Tricks. Während einige von ihnen von Natur aus der kalten Jahreszeit angepasst sind, verharren die Samen anderer Pflanzen über den Winter im Boden, bevor sie im Frühjahr keimen. Letztere Sorte nennt sich Kaltkeimer – Pflanzen, die zum Auskeimen einen mehrwöchigen Kältereiz benötigen.

Dies mag zuerst seltsam klingen – tatsächlich handelt es sich jedoch um eine ausgeklügelte Überlebenstaktik. Würden die Samen dieser Pflanzen unmittelbar nach der Aussaat im Spätsommer oder Herbst keimen, wären die Jungpflanzen nicht kräftig genug, um den Winter zu überstehen. Wird ihre Keimung hingegen bis zum Frühling zurückgehalten, haben sie ausreichend Zeit, um vor dem nächsten Winter heranzuwachsen.

Wachstums­hemmung durch mehrere Mecha­nismen 

Diese Dormanz genannte Phase der Winterruhe entsteht durch verschiedene biologische und biochemische Mechanismen, die bei den meisten Kaltkeimern in Kombination auftreten. Neben einer harten Samenschale, die erst durch die Feuchtigkeit im Boden quellen muss, kommen dabei besonders eine verzögerte Entwicklung des Pflanzenembryos und keimhemmende Stoffe zum Tragen.

Der wichtigste dieser keimhemmenden Stoffe ist die Abscisinsäure, ein Hormon, das in hoher Konzentration dem Wachstum und damit der Keimung entgegenwirkt. Ist der Samen über mehrere Wochen der Kälte ausgesetzt, baut er Abscisinsäure ab. Nach einigen Wochen kann der Samen jederzeit keimen, sobald die Umgebungstemperatur dies zulässt.

Schaufel in Sandhaufen
Aussaat von Kaltkeimern in Aussaatschalen
Hopfenkeimling

Mit der Stratifizierung kann die Keimung beschleunigt werden. Dazu werden die Samen mit Sand gemischt, feucht (und kühl) gehalten und regelmässig durchmischt. 

Dormanz und Stratifizierung 

Die Zeit bis zum Erreichen der Keimfähigkeit unterscheidet sich je nach Pflanzenart. Während die meisten Arten drei bis zwölf Wochen durchgehend Kälte benötigen, um die Dormanz zu überwinden, ist gerade bei Sträuchern und Gehölzen mitunter eine noch längere Kälteperiode erforderlich.

Ferner müssen bei manchen Kaltkeimern zur Quellung der Samenschale die richtigen Bedingungen vorherrschen. Diese Samenarten, deren harte Schale bei milden Temperaturen im feuchten Boden quellen muss, sät man daher in der Regel bereits kurz nach der Samenernte im September oder Oktober aus.

Durch Stratifizierung lässt sich dieser Vorgang weiter beschleunigen. Geben Sie dazu die Pflanzensamen in einen grossen, mit Sand gefüllten Behälter und decken Sie diesen sicher mit einem engmaschigen Gitter oder einer schweren Decke ab. Halten Sie den Sand gleichmässig feucht und mischen Sie ihn wöchentlich mit einer Schaufel, reibt sich dadurch die harte Schale von Strauch- oder Gehölzsamen innerhalb einiger Wochen ab.

Aussaat im Beet 

Bei der Aussaat im Beet sind immer die Präferenzen der jeweiligen Art zu beachten. Während einige Pflanzen Minusgrade für den erforderlichen Kältereiz benötigen, reichen anderen Temperaturen von etwa 5 °C. Haben Sie die Samen im Gartenhandel erworben, finden sich auf der Verpackung Angaben dazu, wann und bei welchen Temperaturen die Aussaat erfolgen sollte.

Am besten eignet sich für die Aussaat kaltkeimender Pflanzen ein Aussaatgefäss, das Wasser die Möglichkeit zum Ablaufen bietet. Füllen Sie dieses mit nährstoffarmer Aussaat- oder Kräutererde, wobei Sie darauf achten sollten, dass das Substrat keine Klumpen bildet. Drücken Sie die einzelnen Pflanzensamen sanft in die Erde und sieben Sie etwas Aussaaterde darüber. Bei kleinen Samen reichen wenige Millimeter Erde völlig aus, während grössere eine entsprechend dickere Erdschicht von bis zu einem Zentimeter zur Abdeckung benötigen.

Für den optimalen Erdschluss ist es ratsam, die Erde noch einmal leicht mit der Hand oder einem Erdstempel festzudrücken. Zur anschliessenden Befeuchtung ist am besten eine Sprühflasche geeignet. Diese sorgt für ausreichend Feuchtigkeit, ohne versehentlich die Samen wegzuspülen. Wollen Sie das Aussaatgefäss im Garten aufstellen, sichern Sie es mit einem robusten, straff gespannten Netz oder einer Abdeckung aus Maschendraht gegen Vögel und Nagetiere auf Futtersuche.

Unterbrechung der Samenruhe durch künstliche Kälte 

Eine Alternative zur Herbst- oder Winteraussaat im Garten stellt die künstliche Kältebehandlung im Kühlschrank dar. Diese Methode ist saisonunabhängig und hat den Vorteil, dass die Temperatur über die gesamte Kälteperiode hinweg konstant bleibt. Sie können dabei entweder genau wie bei der Aussaat im Garten vorgehen oder die Samen in einem mit nährstoffarmer Aussaaterde gefüllten Gefrierbeutel in den Kühlschrank legen.

Dabei ist es jedoch wichtig, dass die Samen ausreichend Feuchtigkeit erhalten. Trocknen sie aus, können sie nicht keimen. Die Erde in einem Aussaatgefäss lässt sich im Kühlschrank mit Frischhaltefolie vor dem Austrocknen schützen, während Samen aus dem Gefrierbeutel vor der Kältebehandlung für eine bis zwei Wochen in warmem Wasser vorquellen sollten.

Bärlauch Blüte

Ein Vertreter der Kaltkeimer ist der Bärlauch 

Cranberry

Die Samen der Cranberry sind ebenfalls Kaltkeimer 

Hasselnuss am Strauch

Viele Sträucher, u.a. die Haselnuss, sind Kaltkeimer 

Typische Arten von Kaltkeimern 

Zu den kaltkeimenden Pflanzen zählen viele der heimischen Sträucher und Gehölze, darunter zum Beispiel Pfingstrosen, Eichen und Buchen sowie Haselnuss- und Walnusssträucher. Ferner gehören auch heimische Blumen wie die Edelweiss und die Sterndolde zu den Kaltkeimern.

Obwohl Ausnahmen bestehen, handelt es sich üblicherweise um mehrjährige Pflanzen. Eher untypisch sind kaltkeimende Gemüsepflanzen – in dieser Kategorie sticht besonders der Bärlauch heraus. Weitere Informationen zu Arten von Kaltkeimern und deren Besonderheiten haben wir für Sie in der folgenden Tabelle zusammengetragen:

Name Wuchstyp Maximale Wuchs­höhe Aussaat­zeit Blüte­zeit Ernte­zeit
Alpen-Edelweiss Staude 20 cm Jan-Mar Jun-Aug Keine Früchte
Bärlauch Zwiebel 50 cm Sep-Jan Apr-Jun Mar-Mai
Cranberry Gehölz 20 cm Sep-Nov Jun-Aug Okt-Nov
Haselnuss­strauch Gehölz 600 cm Sep-Nov Feb-Mar Sep
Hopfen Kletterpflanze kletternd bis zu 600 cm Jan-Apr Jul-Sep Nov-Feb
Kaukasus-Sterndolde Staude 50 cm Sep-Dez Jun-Jul Keine Früchte

Tipps und Tricks für die Anzucht kaltkeimender Pflanzen 

Um Verwechslungen von vornherein zu vermeiden, sollten sämtliche Aussaatgefässe mit Etiketten versehen werden. Vermerken Sie darauf den Aussaattermin und den Pflanzennamen, sodass im Frühjahr keine Verwirrung entsteht. Bei der Kältebehandlung im Kühlschrank ist es ebenso ratsam, deren Beginn zu vermerken.

Keimen Samen im Frühjahr nicht, ist dies übrigens noch längst kein Grund zur Besorgnis. Durch eine Kältebehandlung im Kühlschrank kann die Dormanz auch nachträglich unterbrochen werden, falls die Kälte im Beet nicht ausreicht. Bei Pflanzen mit starker Keimhemmung wie der Zaubernuss kann es ferner mehrere Jahre dauern, bis sich Keimlinge bilden.

Jetzt Baum- und Sträuchersortiment entdecken